„Wir haben die Chance“: CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel im Interview

Ob KI-Universität, Exzellenzcluster oder ein Fonds für angeschlagene Unternehmen: Manuel Hagel, christdemokratischer Spitzenkandidat für die Landtagswahlen im März, setzt auf Wirtschaftsthemen. Heilbronn-Franken hat aus seiner Sicht einen Standortvorteil: zupackende Unternehmer.

Manuel Hagel
Vertrauen in die eigene Stärke: Das will CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel für die Region.. Foto: Marcel Ditrich

Herr Hagel, Sie haben mit Ihrer Ankündigung, bis 2036 in Baden-Württemberg bis zu 80.000 neue Jobs schaffen zu wollen und das Land in sechs Exzellenzclustern an die Weltspitze zu führen, ein ambitioniertes Ziel vorgegeben. In welchen Bereichen wird Heilbronn-Franken davon profitieren?

Manuel Hagel: Heilbronn-Franken steht wie nur wenige Regionen für Aufstieg aus eigener Kraft: Familienunternehmen, die Weltmärkte erobern, und Menschen, die lieber anpacken als zu klagen. Genau dieses Selbstverständnis ist in Zeiten des Umbruchs ein echter Standortvorteil. Denn wir erleben aktuell keinen normalen Strukturwandel, sondern in zentralen Branchen einen echten Strukturbruch – vor allem in der Automobil- und Zulieferindustrie. Das ist kein vorübergehender Abschwung. Das ist ein Umbau unserer industriellen Basis.

Heilbronn-Franken als führende KI-Region Europas?

Wie wird sich dieser Bruch auswirken?

Hagel: Ob Regionen davon profitieren, entscheidet sich an einer einfachen Frage: Entsteht neue Wertschöpfung vor Ort – oder wandert sie ab? Heilbronn-Franken bringt vieles mit, um hier auf der Gewinnerseite zu stehen: einen starken Mittelstand, leistungsfähige Hochschulen und eine ausgeprägte Kultur der Anwendung. Zudem ein exzellentes Handwerk und eine breite Basis für die duale Ausbildung. Genau das brauchen wir, um neue Technologien schnell in Produkte, Prozesse und Arbeitsplätze zu übersetzen. Innovation muss Wertschöpfung bringen – alles andere hilft dem Standort nicht.

Regionen wie Heilbronn-Franken zeigen, wie das gelingt: pragmatisch, industrienah und mit klarem Blick auf Wachstum und Beschäftigung. Deshalb wird diese Region eine zentrale Rolle spielen, wenn wir in Baden-Württemberg neue, hochwertige Arbeitsplätze schaffen – weil hier aus Ideen Anwendungen werden. Wir haben die Chance die Region zur führenden KI-Region Europas zu machen. Diese Türe steht nicht mehr lange offen. Entscheidend sind dabei zwei Dinge: eine konsequente Anwendungsorientierung und die Sicherung der Datensouveränität. Wir haben die Chance!

Wie viel Hoffnung dürfen sich Heilbronn und die Region machen, Standort einer neuen Landesuniversität als „KI-Uni“ zu werden?

Hagel (lacht): Am Anfang wurden wir ja für die Ambition, nach 50 Jahren erstmals wieder eine Landesuniversität zu gründen, belächelt. Inzwischen sind sich Experten einig: Das kann ein Wohlstandsmotor für uns werden. Wir bringen dafür alles an Voraussetzungen mit. Heilbronn hat sich mit dem IPAI, starken Stiftungen und der engen Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft eine herausragende Stellung in der angewandten Künstlichen Intelligenz erarbeitet.

Das ist eine starke Ausgangslage. Klar ist aber auch: Über den Standort einer neuen KI-Universität wird in einem fairen, transparenten Verfahren entschieden. Für uns gilt dabei ein einfaches Prinzip: Wenn wir eine KI-Universität schaffen, dann dort, wo Tempo, Talent und Technologie zusammenkommen – und wo Forschung schnell in Anwendung übersetzt wird. Heilbronn bringt dafür sehr gute Voraussetzungen mit.

Wachstumsfonds für angeschlagene Unternehmen

Dafür planen Sie einen millionenschweren Fonds, um angeschlagene Unternehmen kurzfristig mit Kapital auszustatten, damit sie kreditwürdig bleiben. Brauchen die Unternehmen in der Weltmarktführerregion Heilbronn-Franken so eine Finanzspritze überhaupt?

Hagel: Ja, gerade jetzt. Und nein, nicht grundsätzlich alle, aber dennoch viele – je nach Einzelfall. Diese multiple Krise fordert von uns neue Antworten. Die bekannten Instrumente können helfen, werden aber nicht ausreichen. Denn auch starke Unternehmen geraten aktuell unter Druck. Hohe Energiepreise, steigende Arbeits-, Bürokratie-und Steuerkosten, dazu geopolitische Unsicherheiten und eine schwache Nachfrage: Das schlägt sich direkt in der Gewinn- und Verlustrechnung nieder. Da viele Unternehmerinnen und Unternehmer bei uns sehr verantwortungsvoll handeln, tragen sie die Belastungen in dieser Phase zunächst selbst. Davor habe ich große Achtung – darauf können wir stolz sein.

Aber das geht nicht auf Dauer gut. Es zehrt an der Substanz. Und diese Substanz ist nun mal das Eigenkapital. Genau deshalb brauchen unsere Betriebe jetzt eine gezielte Eigenkapitalstärkung, um die Transformation zu bewältigen. Unser Ziel ist klar: Gesunde Betriebe dürfen nicht wegen vorübergehender Engpässe Investitionen zurückfahren oder Arbeitsplätze gefährden. Der Wachstumsfonds soll gezielt Unternehmen Luft unter die Flügel geben, die investieren, modernisieren und neue Technologien in die Anwendung bringen. Es geht nicht um die Verwaltung der Vergangenheit – es geht um die Gestaltung der Zukunft.

Worin unterscheidet sich ein Wachstumsfonds, der sich aus Steuergeldern und über Mittel aus Stiftungen speisen soll, von staatlichen Subventionen? Eine „Subventionsspirale“ unter der damaligen Ampelregierung hatte die CDU vor einem Jahr noch scharf kritisiert.

Hagel: Das sind zwei unterschiedliche Modelle. Wir unterscheiden hier sehr klar: Subventionen verzerren Märkte und schaffen Abhängigkeiten. Unser Ansatz ist ein anderer: Eigenkapital auf Zeit, marktwirtschaftlich organisiert, mit klaren Rückflüssen. Es geht nicht um Geschenke, sondern um Stabilität und Wachstum. Staatliche Mittel, ergänzt durch Stiftungen, setzen hier einen Startimpuls – nicht mehr und nicht weniger. Wir stärken Märkte, wir ersetzen sie nicht.

„Mehr Vertrauen in die eigene Stärke gewinnen“

Welches wäre aktuell die beste Nachricht für die Region, für Baden-Württemberg, Deutschland und Sie persönlich?

Hagel: Für Baden-Württemberg wäre die beste Nachricht eine klare Mehrheit für eine stabile Politik der bürgerlichen Mitte: Vorfahrt für Wirtschaft, Wachstum und Arbeitsplätze. Sachlich, lösungsorientiert und ohne ideologische Scheuklappen. Für Deutschland wäre es ein echter Befreiungsschlag, wenn wir den Mut fänden, uns von ideologiegetriebenen politischen Irrwegen zu verabschieden, die unseren Standort schwächen – vom Lieferkettengesetz über überbordende Bürokratie bis hin zu falschen Anreizen, die Leistung entwerten.

Unser Land braucht wieder eine Politik, die Realität anerkennt – und Zukunft ermöglicht. Die Bundesregierung hat sich auf den Weg gemacht und ich bin hier wirklich optimistisch. Und persönlich freue ich mich über jedes Signal, dass Deutschland und Baden-Württemberg wieder mehr Vertrauen in die eigene Stärke gewinnen. Denn aus Vertrauen entstehen Investitionen – und aus Investitionen entsteht Zukunft.

Interview von Natalie Kotowski

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