Photovoltaik im Aufschwung: Wie Unternehmen in Heilbronn‑Franken ihre Energieversorgung neu ausrichten

Steigende Energiepreise, technologische Fortschritte und neue gesetzliche Modelle wie Energy Sharing machen Photovoltaik wirtschaftlich attraktiv. Regionale Beispiele zeigen, wie Betriebe und Kommunen ihre Energieversorgung neu denken.

Photovoltaik im Aufschwung
Bausch+Ströbel erzeugt auf dem Parkplatz in Ilshofen mit einer 756-kWp-PV-Anlage Solarstrom für 64 E-Ladepunkte. Foto: Bausch+Ströbel

Beim Thema Photovoltaik geht es für Unternehmen und Kommunen längst nicht mehr nur um Klimaschutz, sondern um stabile Energiepreise, Kosteneinsparungen und Planbarkeit. „Mit den steigenden Energiepreisen wurde vermehrt der Eigenbedarf abgedeckt“, erklärt Lukas Kempf vom Klima-Zentrum Hohenlohekreis. Davon profitieren besonders Betriebe mit hohem Stromverbrauch im Sommer, beispielsweise Kühlbetriebe, die mit günstigem Solarstrom ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern.

Parallel wächst auch der Ausbau von Anlagen weiter. „Allein im Jahr 2025 betrug der Zubau 28 MWp“, so Kempf über die Entwicklung der Freiflächenanlagen im Hohenlohekreis. Auch die Klimaschutzberatung im Landkreis Schwäbisch Hall sieht Photovoltaik inzwischen als „deutlich verbreitet“ und betriebswirtschaftlich etabliert – für Handwerk, Logistik wie auch produzierende Betriebe.

Unternehmen in Heilbronn-Franken investieren in die Energieinfrastruktur

Wie umfassend Unternehmen aus Heilbronn-Franken die Energiewende inzwischen selbst gestalten, zeigt das Beispiel der Firma EDi in Öhringen. Dort wird die gesamte Energieinfrastruktur neu aufgebaut. „Die Grundlage bilden mehrere PV Anlagen auf dem Betriebsgelände und ein großer Batteriespeicher“, erläutert Kempf. Ein Teil des Fuhrparks wurde bereits auf E-LKWs umgestellt, die nachts aus dem Batteriespeicher geladen werden, während der restliche Fuhrpark auf HVO – Hydrotreated Vegetable Oil –, also Diesel aus Pflanzenöl, umgestellt wurde.

Ergänzend betreibt das Unternehmen ein eigenes kleines Wärmenetz, das Betriebsgebäude, Büros und mehrere kleinere Mehrfamilienhäuser versorgt. Stromüberschüsse im Sommer fließen in die Warmwasserbereitung – die Pelletheizung bleibt in der sonnigen Jahreszeit deshalb weitgehend ausgeschaltet. Mit dieser technologieoffenen Strategie aus Strom, Holzpellets und HVO will das Unternehmen „bis 2027 rund 90 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf erneuerbare Energien umgestellt haben“.

Im Landkreis Schwäbisch Hall gibt es ebenfalls Vorreiter, die zeigen, wie Photovoltaik und Infrastruktur in der Region zusammenspielen können. Das Unternehmen Bausch+Ströbel hat an zahlreichen Gebäuden PV-Anlagen installiert; ein besonderes Beispiel ist der teilweise überdachte Parkplatz am Standort Ilshofen. Dort erzeugt eine 756 kWp Anlage Solarstrom für 64 Ladepunkten, an denen Mitarbeitende und Gäste ihre Elektrofahrzeuge laden.

Neue Energy Sharing Regelung ab Juni 2026

Parallel zu diesen betrieblichen Entwicklungen richtet sich der Blick vieler Unternehmen auf die neue Energy Sharing Regelung, die ab Juni 2026 greift. Sie ermöglicht erstmals die gemeinschaftliche Nutzung und Weitergabe von lokal erzeugtem Solarstrom. „Wenn der Strom nicht vor Ort verbraucht werden kann, dann wäre das Energy Sharing im aktuellen Entwurf eine mögliche Lösung“, erklärt Kempf. „Der Strom kann dann über das öffentliche Stromnetz an Dritte verkauft oder an andere Standorte geleitet werden.“

Für Betriebe mit großem Dach  oder Freiflächen und einem geringeren Eigenverbrauch könne dies die Wirtschaftlichkeit deutlich verbessern. Allerdings betont er auch die Unsicherheiten: „Unklar ist derzeit, wie hoch die anfallenden Netzentgelte sind. Steuern und Umlagen werden ebenfalls anfallen – entsprechende Entscheidungen der Bundesnetzagentur stehen noch aus.“

Marco Straub, Leiter des Klimazentrums im Landkreis Schwäbisch Hall, teilt diese Einschätzung, setzt aber Ergänzungen: „Bei Anlagen bis 30 kWp ist ein wesentlicher Vorteil, dass keine Bilanzkreisverpflichtungen oder Liefergarantien übernommen werden müssen.“ Entscheidend sei jedoch, wie eine PV-Anlage betrieben werde, insbesondere, da Gewerbedächer in der Region üblicherweise deutlich größer seien. Energy Sharing könne neue Geschäftsmodelle eröffnen, doch zentrale Fragen seien offen – etwa Netzentgelte, Abrechnungsmodalitäten oder regulatorische Vorgaben.

Das Potenzial regionaler Zusammenschlüsse

Für Unternehmen mit hohem Tagesstrombedarf oder wenig eigenen Dachflächen sei das Modell attraktiv; für größere Industriebetriebe prognostiziert Straub dagegen geringe Effekte: „Wir schätzen es so ein, dass der Großteil der Unternehmen aufgrund der Anlagengröße nach aktuellem Stand nicht von der neuen Energy Sharing Regelung profitiert.“

Trotz dieser Einschränkungen sehen beide Experten Potenzial in regionalen Zusammenschlüssen. Besonders geeignet seien Gewerbegebiete mit unterschiedlichen Lastprofilen oder Zusammenschlüsse kleiner und mittlerer Betriebe sowie Kombinationen aus PV, Speichern, Elektromobilität und Wärmeanwendungen. Solche Modelle könnten lokal erzeugten Strom effizienter nutzbar machen, die Netze entlasten und klare wirtschaftliche Vorteile schaffen.

Die Kombination aus Anlagengröße und Eigenverbrauch ist entscheidend

Gleichzeitig sorgt die aktuelle Lage aber auch für Verunsicherungen bei Unternehmen. „Aufgrund der derzeit unsicheren politischen Rahmenbedingungen wenden sich Unternehmen zunehmend mit grundlegenden Fragestellungen an uns“, sagt Straub.

Besonders die Entwicklung der Einspeisevergütung und der zunehmenden Zahl negativer Strompreisstunden beschäftige die Betriebe: „Wie wird sich diese entwickeln? Und wie soll die Vergütung geregelt werden, wenn die Strompreise an der Börse negativ sind?“ Hinzu kommen Fragen nach optimaler Speicherintegration, Lastspitzenmanagement und der Nutzung freier Kapazitäten am Spotmarkt.

„Die größte Unsicherheit ist immer die Wirtschaftlichkeit der Anlage“, bestätigt auch Kempf. Wichtig sei die richtige Kombination aus Anlagengröße und Eigenverbrauch. „Bei einem geringen Stromverbrauch, zum Beispiel in einer großen Logistikhalle, kann ein Großteil des Stroms nicht verbraucht werden und muss zu nicht optimalen Bedingungen ins Netz verkauft werden. Das kann die Amortisationsdauer deutlich verschlechtern. Kann der Strom zum großen Teil selbst genutzt werden, dann sind PV Anlagen immer wirtschaftlich.“

Teresa Zwirner

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