PV-Zubau, Speicher, Energy Sharing: Wie Unternehmen ihre Energiekosten wirklich senken können

PV-Anlagen, Batteriespeicher, netzdienliches Verhalten, Energy Sharing: Für Unternehmen bieten sich zahlreiche Wege, Energiekosten zu reduzieren und unabhängiger zu werden. Warum dennoch manche Projekte ins Stocken geraten und welche Lösungen realistisch sind, erläutert PV-Berater Armin Müller-Scheerschmidt.

PV-Zubau
PV-Berater Armin Müller‑Scheerschmidt beschreibt, wie Unternehmen im Landkreis Heilbronn mit Photovoltaik, Batteriespeichern und Energy Sharing Kosten senken und ihre Energieversorgung unabhängiger gestalten können. Foto: Adobe Stock/Thinapob

Wie verbreitet ist Photovoltaik derzeit im Gewerbe- und Industriesektor im Landkreis Heilbronn?

Armin Müller‑Scheerschmidt: Hierzu liegen uns zwar keine konkreten Zahlen vor, Fakt ist, dass die Nutzung von selbst produziertem Strom am Ende deutlich kostengünstiger ist als der Bezug aus dem Netz. Vor allem bei einer hohen Eigenverbrauchsquote bietet die Installation einer PV-Anlagen echte Einsparmöglichkeiten. Der Blick in verschiedene Industriegebiete des Kreises zeigt, dass es noch erhebliche Potenziale auf den Dächern von Firmen gibt. 

Woran liegt es, dass diese Potenziale – trotz hoher Wirtschaftlichkeit – noch nicht stärker genutzt werden?

Müller‑Scheerschmidt: Neben der reinen PV spielen auch Batteriespeicher eine immer größere Rolle. Sie ermöglichen die Nutzung des selbstproduzierten Stroms in Phasen ohne Sonne. Zudem können sie bei der Kappung so genannter Lastspitzen helfen, was einen positiven Einfluss auf die Netzentgelte hat. Dazu kann der Speicher inzwischen auch dann aus dem Netz geladen werden, wenn der Strom an der Börse günstig ist oder gar bezahlt wird.

Die Kosten für Batteriespeicher sind in den letzten Monaten stark gefallen. Je nach Höhe des Eigenverbrauchs, der Größe der PV-Anlage und des Speichers unterscheiden sich die Amortisationszeiten der Investition. Wir empfehlen den Unternehmen vor der Investition eine Simulation der Anlage zur Errechnung der Ertragspotenziale, denen die Eigenstromnutzung und die Überschusseinspeisung gegenübergestellt werden, um daraus eine Amortisationsrechnung abzuleiten.  

Herausforderungen von Kommunen und Unternehmen beim PV-Zubau

Welche weitere Möglichkeit können Unternehmen nutzen, um ihre Energiekosten zu optimieren?

Müller‑Scheerschmidt: Hinzu kommen Honorare für netzdienliches Verhalten und die Möglichkeit, Energie dann an der Börse kaufen zu können, wenn sie dort günstig ist. Neben der reinen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sollte aus unserer Sicht aber auch das Thema Autarkie und damit die Unabhängigkeit von schwankenden bzw. steigenden Stromkosten in der Zukunft berücksichtigt werden.

Mit welchen Unsicherheiten kommen Kommunen und Unternehmen typischerweise auf Sie zu?

Müller‑Scheerschmidt: Probleme entstehen häufig bei der Frage, ob und wie sich die Investition rechnet. Ausführungen dazu sind bei der Beantwortung der ersten Frage zu finden. Ergänzend stellt es eine Herausforderung dar, dass bis zur konkreten Planung der Anlage oft keine belastbare Aussage des Netzbetreibers getroffen wird, ob die Anlage tatsächlich ans Netz gehen kann oder nicht. Gerade bei kleineren Freiflächenanlagen oder großen Dach-PV-Anlagen wird das zum Problem. Hier geht der Investor in eine planerische Vorleistung ohne abschließend zu wissen, ob ein Anschluss der Anlage auch tatsächlich erfolgen kann.  

Wie wirkt sich die Photovoltaik-Pflicht in Baden-Württemberg auf Unternehmen im Landkreis aus? 

Müller‑Scheerschmidt: Der PV-Zubau boomt im Landkreis Heilbronn. Im vergangenen Jahr betrug der Zubau insgesamt 128 Megawatt, davon entfallen 53,2 MW auf Aufdachanlagen. Die PV-Pflicht greift bei umfassenden Sanierungen und Neubauten. Da dies vor allem Wohngebäude betrifft, ist hier der Impact größer.

Nichtsdestotrotz ist es ein Mittel, Einfluss bei Modernisierungsmaßnahmen oder Neubauten zum Ausbau von Erneuerbaren Energien zu nehmen, das begrüßenswert ist. Bei der Parkplatz-PV müssen strenge wirtschaftliche Parameter angelegt werden. Wie beschrieben hängt die Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen zu großen Teilen an der Eigenverbrauchsquote. Die Wirtschaftlichkeit von Parkplatz-PV-Anlagen leidet unter den höheren Investitionskosten aufgrund der nötigen Unterkonstruktion. 

Das Potenzial der neuen Energy-Sharing-Regelung

Welche Auswirkungen hat die neue Energy-Sharing-Regelung ab 1. Juni 2026 auf Unternehmen?

Müller‑Scheerschmidt: Die Regelungen sind ein erster Schritt, fördern „das Sharing“ aber nicht konsequent genug. Nur die Teilhabe von Mietern auf dem gleichen Grundstück ist dann sehr vorteilhaft und nun ohne die Auflagen eines Vollversorgers möglich, da keine Netzentgelte und Steuern anfallen und das Netz entlastet wird. Sobald man jedoch über die Flurstücksgrenze geht, konkurriert der PV-Strompreis mit dem EVU-Angebot, das meist auf Börsenpreisen fußt. Netzentgelte und Steuern sind dann gleich. 

Sehen Sie Potenzial für regionale Energiegemeinschaften zwischen Unternehmen oder ganzen Gewerbegebieten?

Müller‑Scheerschmidt: Das Potenzial ist groß. Ein großes Thema in der Energiewende ist der Netzausbau. Demnach ist es erstrebenswert, den Strom nur über möglichst kurze Distanzen zu transportieren und im besten Fall dort zu produzieren, wo er auch genutzt werden soll. Auch auf technischer Seite tut sich enorm viel, was die Speicherung, aber auch dem dynamischen Ein- und Verkauf von Strom angeht. Diese bestehenden Vorteile verbessern sich durch die angesprochenen Energiegemeinschaften weiter, da Synergien genutzt werden können. 

Was hindert solche Projekte heute?

Müller‑Scheerschmidt: Wird der Strom über die Flurstücksgrenze bei anderen Abnehmern nutzbar gemacht, fallen die üblichen Abgaben wie Netzentgelte und Steuern an. Damit wird das Modell weniger attraktiv. Die Energiegemeinschaft kann aber auch nicht als Vollversorger mit sämtlichen Rechten und Pflichten auftreten, um das Energieversorgungsunternehmen „abzulösen“. Damit ergibt sich ein Interessenskonflikt.

Die aktuellen gesetzlichen Regelungen für „Energiegemeinschaften“ sind daher nur bedingt praxistauglich.  Wenn solche Projekte gelingen sollen, braucht es immer „einen Kümmerer“ und eine gute kooperative Zusammenarbeit mit dem Netzbetreiber/EVU. Mit dem Auslaufen des EEGs Ende des Jahres sowie weiteren angekündigte Gesetzesänderungen auf Bundesebene wird sich zeigen, ob das Modell in Zukunft attraktiver wird. 

Interview von Teresa Zwirner


Zur Person

Armin Müller‑Scheerschmidt ist Photovoltaik-Berater der Klimaschutzagentur „make it“ im Landkreis Heilbronn. Er unterstützt Unternehmen und Kommunen bei der Planung und Bewertung von PV-Anlagen


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