Für mehr Stärke und Zusammenhalt: Am 28. Juni ist Regionaltag in Bad Mergentheim

Die Verantwortlichen haben für den 27. Regionaltag in Bad Mergentheim am 28. Juni eine gemeinsame Botschaft: Wir-Gefühl und Begegnungen fördern, gleichzeitig aber auch Wirtschaft und Region stärken.

Regionaltag in Bad Mergentheim
Das Stadtfest und der Regionaltag werden viele Besucher in die Innenstadt von Bad Mergentheim locken. Foto: Stadt Bad Mergentheim/Holger Schmitt

Auf seinen Reisen soll Johann Wolfgang von Goethe auch durch das Taubertal gekommen sein. Dass der große Dichter in Bad Mergentheim Station gemacht hat, scheint Historikern zwar ausgeschlossen. Für Friedlinde Gurr-Hirsch, Vorsitzende der Bürgerinitiative pro Region hätte sein Gedicht „Erinnerung“ aus dem Jahr 1803 in der Version, wie der Volksmund sie kennt, bei einem Halt in der Großen Kreisstadt mitten in Tauberfranken entstanden sein können:

„Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah – das trifft sprichwörtlich den Nagel auf den Kopf“, befindet sie. Denn Bad Mergentheim präsentiert sich 100 Jahre nach seiner Auszeichnung als Heilquellen-Kurort von seiner besten Seite.

Der 27. Regionaltag am 28. Juni in Bad Mergentheim

Einer der Programmpunkte des Jubiläumsjahres steht in wenigen Wochen an: der 27. Regionaltag am 28. Juni. Von 13 bis 18 Uhr werden ein hochkarätiges Bühnenprogramm und annähernd 80 Aussteller für Unterhaltung sorgen, informieren und die Besucher begeistern.

Städte und Gemeinden, Touristikgemeinschaften, Vereine, Weingärtner und der SWR werden dabei sein, „es gibt Spielmöglichkeiten für Kinder, dazu Sonderführungen im Schloss“, kündigt Bad Mergentheims Oberbürgermeister Udo Glatthaar an. Auch das Jubiläum „200 Jahre Heilquellen“ wird ihm zufolge eine Rolle spielen: In halbstündigen thematischen Stadtführungen und auf der Bühne mit Schäfer Gehrig, der die Quellen wiederentdeckte, als KI-Avatar.

Auch die baden-württembergischen Literaturtage, die im Herbst in die Große Kreisstadt kommen, werden laut Glatthaar an ihrem „LiteraKUR“-Stand einen Vorgeschmack geben. Wer will, kann am Veranstaltungssonntag auch shoppen: Die Geschäfte haben geöffnet. Das gesamte Event ist eingebettet in das Bad Mergentheimer Stadtfest, das bereits am Freitag, 26. Juni, startet.

Traditionelles Bürgerfest stärkt den Zusammenhalt

Obwohl sich die Distanzen zur Großen Kreisstadt innerhalb der Region stark unterscheiden – Assamstadt liegt nur zwölf Kilometer entfernt, Zaberfeld hingegen etwa 100 Kilometer: Das Gute liegt, um Goethes Verse aufzugreifen, für alle in der Region relativ nah.

Für Gurr-Hirsch ist es vor allem das Wir-Gefühl, das das traditionelle Bürgerfest zwischen den Menschen entstehen lässt. „Ich finde, dass gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl eine noch zentralere Bedeutung haben“ – Veranstaltungen wie der Regionaltag könnten diesen Gemeinsinn fördern.

Schon 2008 war Bad Mergentheim Gastgeber des Regionaltags, und hätte es eigentlich schon 2021 wieder sein sollen. Damals habe die Corona-Pandemie den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung gemacht, erinnert sich Gurr-Hirsch. Eine Zeit, in der Abstand und Isolation geboten waren.

Ganze Vielfalt regionaler Erzeuger erleben

Umso mehr freut sie sich nun auf das, was gleichermaßen den Charme der Region und des beliebten Events selbst ausmachen: Vielfalt und Miteinander. „Ein bäuerlicher Genießermarkt und eine Vielzahl regionaler Winzer im wunderbaren Hof des Residenzschlosses zeigen die ganze Vielfalt unserer regionalen Erzeuger, viele weitere Aussteller in der Innenstadt zeigen das ganze Portfolio der regionalen Touristiker und der Wirtschaft“, schwärmt die Vorsitzende von pro Region. „Ich freue mich schon darauf, vielen Menschen zu begegnen und spannende Gespräche zu führen.“

Miteinander ins Gespräch zu kommen – das ist nach Ansicht von Marcel Stephan, Leiter des Amtes für Wirtschaft und Klimaschutz im Landratsamt des Main-Tauber-Kreises, nötiger denn je in Zeiten zunehmender Polarisierung und gesellschaftlicher Spannungen:

„Gerade in Zeiten des Wandels bietet der offene Austausch eine wertvolle Chance, Gemeinschaft zu stärken und neue Perspektiven zu entwickeln. Im ländlichen Raum spielt das Miteinander schon immer eine große Rolle und gewinnt in diesen herausfordernden Zeiten noch zusätzlich an Gewicht.“

Der Regionaltag „verbreitet ein positives und lebendiges Image“

Veranstaltungen wie der Regionaltag könnten genau dort ansetzen, ist Stephan überzeugt. Sie hätten das Potenzial, wichtige Impulse für Bad Mergentheim und den gesamten Kreis zu setzen, was schon der Regionaltag in Lauda-Königshofen vor zwei Jahren eindrucksvoll bewiesen habe. „Er kann Hoffnung und Zuversicht vermitteln, indem er die Vielfalt, die Leistungsfähigkeit und den Zusammenhalt in der Region sichtbar macht“, sagt Stephan.

Dieser Aspekt ist nach Ansicht des Wirtschaftsförderers auch für das Standortmarketing essenziell: „Der Regionaltag macht die Region hautnah erlebbar und verbreitet ein positives und lebendiges Image“, mit der sich Bad Mergentheim und der gesamte Landkreis als attraktiver Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsstandort präsentieren könnten. Er biete außerdem eine Bühne für Unternehmen, Hand-werksbetriebe, Direktvermarkter und touristische Anbieter.

Insbesondere diese Gruppe ist für die Kur- und Tourismusdestination aus Sicht von Oberbürgermeister Glatthaar wichtig. 1,7 Millionen Tagesgäste zähle „seine Stadt“ jährlich; der Dreiklang aus Tradition als Heilquellen-Kurort, pulsierendem Stadtleben für Bürger und Gäste und der Weiterentwicklung, um mit Blick auf die Landesgartenschau 2034 „noch schöner, ökologischer und lebenswerter“ zu werden, bekomme „dieser wichtige Wirtschaftszweig Rückenwind“, sagt er.

Die Landesgartenschau und weitere Zukunftsthemen

Das Starterprojekt für die Landesgartenschau-Planungen können Regionaltag-Besucher bereits besichtigen: der umgestaltete, barrierearme Gänsmarkt. „Er hat Preise wie den Polis Award gewonnen, hat es in die Tagesschau geschafft und – das Wichtigste – wird sehr positiv angenommen“, sagt Glatthaar.

Als nächstes sollen nach seinen Worten die Altstadtplätze und der Grüne Boulevard ausgelobt werden, der große Landschaftspark folge nächstes Jahr. Damit „sind nun alle großen Daueranlagen und ein Großteil der Landesgartenschau-Projekte auf dem Weg.“ Das seien aber nicht Bad Mergentheims einzige Zukunftsthemen: Die Stadt bringe das „urbane Quartier“ zur Baureife, „auch die Sanierung und der Ausbau der Schulen und das 20-Millionen-Projekt Wandelhallen-Sanierung im Kurpark gemeinsam mit den Mitgesellschaftern sind für mich, für uns, aktuell fokussierte Themen.“

Bad Mergentheim packt die Zukunft offenbar weitsichtig und optimistisch an. Der Regionaltag und ähnliche Veranstaltungen transportieren diese Botschaft – sie gilt für Stadt, Landkreis und ganz Heilbronn-Franken. Darin sind sich die Verantwortlichen einig.

„Wirtschaftliche Negativmeldungen sind allgegenwärtig und sollen auch nicht kleingeredet werden“, appelliert Glatthaar. Doch gerade in diesen Zeiten bleibe es wichtig, die eigenen Stärken und Chancen nicht aus dem Blick zu verlieren und sich zum gemeinsamen Anpacken zu motivieren. Der Oberbürgermeister bringt es auf den Punkt: „Eines ist klar: Der Regionaltag kann einen nachhaltig positiven Akzent setzen. Vielleicht sogar ein Ausrufezeichen.“

Natalie Kotowski

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