„Erfolg ist immer Teamarbeit“: Ruder-Olympiasiegerin Carina Bär-Menningen im Interview

Carina Bär-Mennigen hat zwei Karrieren gemeistert, die Disziplin, Ausdauer und mentale Stärke verlangen. Im Interview spricht die Olympiasiegerin und Ärztin über ihre Wurzeln im Kraichgau, Parallelen zwischen Sport und Unternehmertum – und warum sie ihrer Heimat bis heute verbunden bleibt.

Olympiasiegerin Carina Bär-Menningen
Gemeinsam mit Lisa Schmidla, Julia Lier und Annekatrin Thiele (v.l.) gewann Carina Bär-Mennigen (Dritte von links) bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro die Goldmedaille im Frauen-Doppelvierer. Fotos: privat, Uniklinikum Heidelberg

Sie stammen aus Babstadt, einem Dorf in der Nähe von Bad Rappenau. Inwiefern hat Sie Ihre Heimat geprägt – sowohl sportlich als auch persönlich?

Carina Bär-Mennigen: In Babstadt lernt man, pragmatisch anzupacken. Die Menschen dort sind sehr lösungsorientiert – nicht umsonst kommen viele Patente aus Baden-Württemberg. Auch familiär hatte ich ein Umfeld, das mir Durchhaltevermögen beigebracht hat. Selbst wenn etwas mal keinen Spaß macht, macht man weiter. Außerdem haben mich die Vereine in Heilbronn und Bad Wimpfen sehr unterstützt.

Ihr damaliger Sportlehrer Marco Haaf hat Sie zum Rudern gebracht. Erinnern Sie sich an diesen Moment?

Bär-Mennigen: An diesen Tag erinnere ich mich noch gut. Nach einem Schulausflug auf die Schwäbische Alb ließ mich Herr Haaf über das Schulmikrofon ausrufen. Er hatte gesehen, wie ich Fußball gespielt und die Berge hoch- und runtergerannt bin. Da er auch Landesrudertrainer war, schlug er mich fürs Rudern vor.

Rudern ist nicht gerade ein typischer Schulsport wie Fußball oder Handball. Wie war der Einstieg für Sie?

Bär-Mennigen: Es war definitiv eine neue Welt. Rudern hat seine eigenen Regeln. Aber Herr Haaf hat mich sehr gut begleitet. Er hat mir nicht nur die Technik beigebracht, sondern mich auch mental vorbereitet – zum Beispiel auf die spezielle Kleidung, die man beim Training und bei Wettkämpfen trägt. Das ist nichts, was man in der Freizeit anzieht, aber es ist funktional und notwendig. In den ersten zwei Jahren war er eine große Stütze.

Gab es auf Ihrem Weg auch Momente, in denen Sie an Ihre Grenzen gestoßen sind?

Bär-Mennigen: Die gab es definitiv. Besonders herausfordernd war der Umzug nach Dortmund nach dem Abitur. Dort war der Bundesstützpunkt für den Rudersport, und gleichzeitig habe ich mein Medizinstudium in Bochum begonnen. Das war eine enorme Belastung – körperlich wie mental.

Wie sah Ihr Alltag damals aus?

Bär-Mennigen: Ich hatte etwa 20 Stunden Training pro Woche – zusätzlich zum Vollzeitstudium. In Trainingslagern waren es sogar bis zu 30 Stunden. Das war wirklich kräftezehrend. Da fragt man sich schon manchmal: Wie soll ich das alles schaffen?

Kamen Sie da nie auf den Gedanken, einfach aufzugeben?

Bär-Mennigen: Doch, vor allem in meiner Anfangszeit in Dortmund. Aber ich hatte das große Glück, dass drei andere Ruderer zur gleichen Zeit wie ich nach Dortmund kamen und ebenfalls Medizin studierten. Wir haben uns gegenseitig motiviert und unterstützt. Diese Gemeinschaft war unglaublich wichtig – ohne sie wäre es viel schwerer gewesen.

Was braucht es Ihrer Meinung nach, um im Leistungssport ganz oben mitzumischen?

Bär-Mennigen: Man braucht Fokus. Man muss lernen, Prioritäten zu setzen und sich auf ein oder zwei Dinge wirklich zu konzentrieren. Es bringt nichts, auf allen Hochzeiten tanzen zu wollen. Und natürlich braucht man Durchhaltevermögen. Erfolg kommt nicht über Nacht – man muss Dinge immer und immer wieder üben. Das habe ich auch zu Hause gelernt.

Auf dem Bauernhof Ihrer Eltern?

Bär-Mennigen: Genau. Meine Eltern haben Kühe, und es wurde jeden Morgen und Abend gemolken – egal, was war. Diese Verlässlichkeit und Routinen helfen auch im Sport. Und man braucht Mut, im entscheidenden Moment alles zu geben.

Selbstbewusstsein gehört sicher auch dazu, oder?

Bär-Mennigen: Auf jeden Fall. Wobei ich hier zugeben muss, dass ich schon immer großen Respekt vor wichtigen Regatten hatte. Gute Vorbereitung hilft da enorm – etwas, das mein Mann und ich auch in Vorträgen an Unternehmen weitergeben.

Sie ziehen also Parallelen zwischen Leistungssport und Unternehmertum?

Bär-Mennigen: Ja, da gibt es viele Gemeinsamkeiten. In beiden Bereichen geht es darum, ein Team gut aufeinander abzustimmen, Stärken zu erkennen und ein Umfeld zu schaffen, in dem sich alle sicher fühlen. Erfolg ist nie nur individuell – er ist immer Teamarbeit.

Heute arbeiten Sie als Ärztin an der Uniklinik Heidelberg. Wie hilft Ihnen Ihre sportliche Erfahrung im Klinikalltag?

Bär-Mennigen: Gerade in der Notaufnahme war es oft sehr stressig. Da habe ich mir manchmal vorgestellt, ich sei in einem Trainingslager – ich springe ins Wasser und schwimme einfach los. Der Sport hat mir Selbstvertrauen gegeben – und das brauche ich im Klinikalltag jeden Tag.

Sie haben sich zwei sehr anspruchsvolle Wege ausgesucht – Leistungssport und Medizin. Warum gerade Medizin?

Bär-Mennigen: Als Kind wollte ich Tierärztin werden. Ich fand es faszinierend, wie unser Tierarzt die Kühe behandelt hat. Aber er hat auch immer gesagt, dass die Arbeitsbedingungen schwierig sind. Und es gibt wenige Standorte fürs Studium – das hätte sich mit dem Training in Dortmund schwer vereinbaren lassen. So bin ich zur Humanmedizin gekommen.

Sie sind inzwischen wieder in Ihrer Heimatregion angekommen – zumindest fast. Was bedeutet Ihnen diese Rückkehr?

Bär-Mennigen: Sehr viel. Ich war kürzlich als Botschafterin bei den Landesspielen der Special Olympics in Neckarsulm – das war ein sehr bewegender Moment. Es ist mir wichtig, dass Menschen mit Handicap ihren Platz in der Gesellschaft finden. Und auch sonst sind wir viel in der Region unterwegs – etwa bei der Nacht der Wirtschaft in Heilbronn.

Was schätzen Sie besonders an der Region Heilbronn-Franken?

Bär-Mennigen: Es gibt in unserer Region viel Schätzenswertes. Ein Beispiel sind die vielen Schwimmbäder – das ist ein echter Luxus. Mein Mann kommt aus Norddeutschland, da ist das nicht selbstverständlich. Gerade mit eigenen Kindern bekommt man noch einmal einen anderen Blick auf solche Angebote. Ich finde, wir sind hier wirklich gut aufgestellt.

War für Sie immer klar, dass Sie zurückkehren wollen?

Bär-Mennigen: Ja, der Wunsch war immer da. Ich hatte am Anfang in Dortmund starkes Heimweh. Der Wechsel von einem kleinen Dorf in eine Großstadt war eine große Umstellung. Aber ich bereue keinen der Schritte – weder den in die Ferne noch den zurück in den Süden.

Interview von Teresa Zwirner

Olympiasiegerin Carina Bär-Menningen im Interview

Zur Person

Carina Bär-Mennigen, geboren 1990 in Heilbronn und aufgewachsen in Babstadt, ist Olympiasiegerin im Rudern. Parallel zu ihrer sportlichen Karriere studierte sie Medizin und arbeitet heute als Ärztin an der Universitätsklinik Heidelberg. Carina Bär-Mennigen lebt mit ihrem Mann Florian Mennigen, 2012 Olympiasieger im Deutschlandachter, und ihren zwei Kindern in Obrigheim am Neckar bei Mosbach.


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