Kreativität trifft Zukunft: Wie der Vision Campus zum „Motor für die Region“ werden soll

Es gehört Mut und viel Vorstellungs- und Gestaltungswille dazu, als 26-Jähriger mitten auf dem Land ein riesiges Produktionsstudio zu bauen. Tim Seidl hat es gewagt: Sein Vision Campus bei Übrigshausen soll nicht nur Drehort für Filmprojekte namhafter Kunden sein, sondern Spielfläche für Kreativität und Motor für die Region.

Sim Seidl
Tim Seidl will es wissen: Auf 10.000 Quadratmetern baut er an der B19 bei Übrigshausen eines der größten Produktionsstudios Deutschlands. Foto: Tim Seidl-Productions GmbH

Herr Seidl, im Duden hat das Wort Vision viele Bedeutungen: Vorstellung, Bild, Perspektive, medizinisch ist es die Sehkraft. Welche Bedeutung ist Ihnen die liebste?

Tim Seidl: Für mich ist Vision vor allem eines: ein inneres Bild der Zukunft, das so klar und kraftvoll ist, dass es einen jeden Tag antreibt. Es ist dieser Mix aus Vorstellungskraft, Perspektive und dem Mut, etwas zu sehen, das noch nicht da ist – und trotzdem daran zu glauben und alles dafür zu tun, es zu erreichen. Ohne Vision gäbe es meine Firma nicht. Und es gäbe es auch den Vision Campus nicht. Vision ist der Ursprung jeder Entwicklung, persönlich, unternehmerisch und gesellschaftlich.

War deshalb die Namensgebung für das neue Studio der Tim Seidl-Productions eine leichte Übung?

Seidl: Tatsächlich ja. Wir produzieren seit Jahren Bilder, Geschichten, Emotionen – und am Ende entsteht aus allem immer eine Vision. Der Vision Campus bringt perfekt zusammen, was wir tun und wofür wir stehen: Kreativität trifft Zukunft. Der Campus soll ein Ort werden, an dem Ideen wachsen und Menschen inspiriert werden. Genau das sagt der Name aus.

Tim Seidl: „Wenn wir etwas Großes bauen, dann hier“

Es gibt noch eine Bedeutung: Vision als als Kompass für die Zukunft. Wie stark war Ihre Vision vom Vision Campus, wie lange trugen Sie die Idee so eines Creative Hubs – eines Arsenals an Kreativität, schon in sich?

Seidl: Die Idee begleitet mich seit über zwei Jahren. Ursprünglich dachte ich nur an ein größeres Studio. Doch mit jedem Monat wurde klarer: Ich möchte keinen Ort bauen, an dem nur gefilmt wird. Ich wollte einen Campus schaffen – einen Raum, der Kreativität, Medienproduktion, Weiterbildung, Sport, Events und Gemeinschaft verbindet. Einen Ort, an dem Menschen groß denken und zusammen an Zukunft arbeiten können. Der Vision Campus ist die konsequente Weiterentwicklung dessen, was wir in den letzten Jahren aufgebaut haben. Jetzt nur in einer Dimension, die völlig neue Möglichkeiten eröffnet – auch für die gesamte Region.

Nun wird Ihr Traum an der B19 bei Übrigshausen Realität:  eines der größten Studios für Videoproduktionen in Deutschland. Stand für Sie fest, dass Sie mit dem Neubau in der Heimat bleiben und nicht in große Metropolen gehen?

Seidl: Absolut. Schwäbisch Hall und die Region Heilbronn-Franken sind meine Heimat – eine Region voller Hidden Champions, starker Mittelständler und Menschen, die gestalten. Für mich war immer klar: Wenn wir etwas Großes bauen, dann hier. Wir verdanken dieser Region viel und möchten gleichzeitig etwas zurückgeben. Der Vision Campus soll ein Motor für die Region werden – kreativ, wirtschaftlich und kulturell.

Der Vision Campus – mehr als „nur“ ein großes Filmstudio

Welche Leistungen werden Sie Ihren Kunden auf dem Vision Campus anbieten?

Seidl: Der Vision Campus wird kein klassischer Filmstandort, sondern ein kreativer Erlebnisort mit vielen Bereichen, die ineinandergreifen. Zum einen wird es Film- und Fotostudios mit nahtlosen Hohlkehlen geben – für Werbefilme, Produktinszenierungen, Social-Media-Formate, Shootings und große Kampagnen. Dazu kommen Social-Media-Produktionsflächen. Das sind spezielle Räume, optimiert für Reels, TikToks, Employer-Branding-Content, Interviews oder komplette Serienformate. Im Premium-Livestream-Bereich können Kunden ein vollständig ausgestattetes Studio für digitale Events, hybride Veranstaltungen, Weiterbildungen, Produktvorstellungen und Keynotes nutzen. Nicht zuletzt entsteht ein akustisch optimiertes Podcast-Studio, das die Umgebung für Interview-Formate, Unternehmens-Podcasts oder Creator-Projekte sein kann.

Das klingt nach Voraussetzungen, um High-End-Material auf TV-Niveau zu produzieren. Doch Sie wollten ja gerade nicht bloß ein großes Filmstudio, sondern eine Keimzelle für Kreativität erschaffen. 

Seidl: Deshalb wird der Vision Campus auch zusätzlich Workshop-, Seminar- und Meetingräume für Kreativsessions bieten. Ob das nun Strategiemeetings, Schulungen oder Teamtage sind. Ich plane auch Eventflächen für Unternehmen, wo sie viel Platz für Kick-offs, Firmenfeiern, Produktpräsentationen, Launches und Netzwerkevents haben.

„Wir brennen für das, was wir tun“

Das Grundstück ist riesig – 10.000 Quadratmeter. Was haben Sie mit so viel Außenfläche vor?

Seidl: Der Campus lebt vom Gedanken, dass Bewegung Kreativität stärkt. Deswegen sollen auch Flächen für Sportarten wie Paddletennis, Basketball und Volleyball entstehen. Diese Sportflächen schaffen Raum für Teamdynamik, Energie und Ausgleich – und machen den Campus zu einem ganzheitlichen Ort. Das alles will ich an einem Standort vereinen. Mein Anspruch ist, Arbeit und Kreativität völlig neu zu denken.

Ihre Kunden sind große Marken wie Coca-Cola, die Deutsche Bahn, Samsung und KIA. Aber auch regionale Weltmarktführer wie ebm-papst und Würth wenden sich an Sie. Sind die Entscheider immer von Anfang an enthusiastisch, wenn Sie Ihr Konzept beziehungsweise Storyboard vorstellen?

Seidl: Natürlich ist nicht jeder Kunde sofort euphorisch – das wäre unrealistisch. Aber sobald wir unsere Konzepte und Visionen erklären, merken Kunden schnell: Wir arbeiten nicht mechanisch, sondern emotional, präzise und mit einer klaren Idee dahinter. Ich bin überzeugt, Begeisterung entsteht, wenn Menschen spüren, dass wir für das brennen, was wir tun. Für uns steht nicht im Vordergrund, Projekte so schnell wie möglich abzuwickeln, sondern Erlebnisse zu schaffen, die etwas auslösen.

Authentizität, Vertrauen und Vision

Was ist das Wichtigste, wenn man namhafte Kunden von einer Vision überzeugen will?

Seidl: Authentizität. Nur wenn ich zu 100 Prozent hinter einer Idee stehe, kann ich andere dafür begeistern. Und man muss komplexe Gedankengänge so erklären können, dass sie verständlich und greifbar werden. Transparenz und Leidenschaft schaffen Vertrauen – und Vertrauen ist die Grundlage für große Projekte.

Lässst sich dieses Rezept auf jede unternehmerische Strategie anwenden?

Seidl: Nein. Viele Branchen funktionieren über Zahlen, Daten und Prozesse – dort braucht es nicht immer große Visionen. Aber in der Medienproduktion ist es anders. Hier müssen Bilder, Geschichten und Emotionen etwas auslösen. Man sieht in wenigen Sekunden, ob eine Idee Leben hat oder nicht. Unsere Branche lässt keine Ausreden zu – Vision ist sichtbar. Das steckt schon im Begriff.

Die „Good News“ der Kunden zuzuspitzen und in Sequenzen von wenigen Sekunden zu erzählen, ist vermutlich der kreativste und emotionalste Aspekt Ihrer Arbeit, oder?

Seidl: Definitiv. Die Essenz einer Marke in kürzester Zeit emotional greifbar zu machen ist eine der größten Herausforderungen unserer Branche. Es braucht Intuition, Timing, Präzision – und ein tiefes Verständnis dafür, was Menschen anspricht. Diese Kombination begeistert mich jeden Tag aufs Neue.

Zukunftsvision für Heilbronn-Franken und ganz Deutschland

Was denken Sie: Wird der Einsatz von KI in der Kreativbranche, insbesondere im Marketing, Ihre Arbeit beflügeln? Kann ein Algorithmus die emotionalen Nuancen von Markenführung wiedergeben?

Seidl: KI wird ein Beschleuniger. Sie macht Workflows effizienter und eröffnet neue Möglichkeiten. Aber die emotionalen Zwischentöne, die Intuition, das Feingefühl – das bleibt menschlich. KI ist ein Werkzeug. Kreativität bleibt Handwerk und Herz.

2026 wird mit der Eröffnung des Vision Campus vermutlich für Ihr eigenes Unternehmen und für Sie persönlich voll guter Nachrichten stecken. Welche guten Nachrichten würden Sie der Region und dem Land für das neue Jahr wünschen?

Seidl: Ich wünsche mir Mut. Mut, größer zu denken. Mut, Zukunft nicht nur zu diskutieren, sondern zu gestalten. Unsere Region hat ein enormes Potenzial – wirtschaftlich, kulturell und menschlich. 2026 sollte ein Jahr werden, in dem wir diese Stärke sichtbar machen.

Und wie würden Sie diese Zukunftsvision für Heilbronn-Franken und Deutschland filmisch darstellen?

Seidl: Das wird ab der offiziellen Eröffnung am 8. August 2026 zu sehen sein. Unser Eröffnungsfilm trägt den Titel: „Creating tomorrow. Together.“ Und er wird zeigen, was möglich ist, wenn Vision auf Gemeinschaft trifft – und Zukunft Realität wird.

Interview von Natalie Kotowski

Tim Seidl
Fokus auf Erfolg: „Wir verdanken der Region viel“, sagt Unternehmer Tim Seidl. Foto: Tim Seidl-Productions GmbH

Zur Person

Tim Seidl, 26 Jahre alt, ist Gründer und Geschäftsführer der Tim Seidl-Productions GmbH. Nach seinem Studium an der Hochschule Heilbronn baute er eines der führenden Videoproduktionsunternehmen in der Region auf.


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