Wer morgen noch wettbewerbsfähig sein will, muss heute in Kompetenzen investieren. Weiterbildung wird zur zentralen Stellschraube für Transformation und Zukunftsfähigkeit – und verlangt neue Konzepte, Formate und Denkweisen.

Die Anforderungen an Unternehmen und Mitarbeitende verändern sich rasant. Digitalisierung, Fachkräftemangel, neue Arbeitsmodelle – all das verlangt nach mehr als nur technischem Know-how. Weiterbildung wird zum strategischen Erfolgsfaktor. Wie sich die Weiterbildungslandschaft konkret verändert, zeigt die aktuelle Studie „Weiterbildung 2025“ der Bitkom Akademie. Befragt wurden mehrere hundert Fach-und Führungskräfte aus Unternehmen, Institutionen und Verwaltungen. Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild aktueller Herausforderungen, Erwartungen und Zukunftsszenarien – und machen deutlich, worauf sich Organisationen heute schon vorbereiten sollten.
47 Prozent der befragten Unternehmen nutzen Weiterbildung bereits gezielt, um Mitarbeitende auf Veränderungen vorzubereiten. Umgekehrt bedeutet das jedoch auch: Mehr als die Hälfte schöpft dieses Potenzial bislang nicht aus. Besonders auffällig ist dabei die Wahrnehmungslücke zwischen Führungsebene und Mitarbeitenden: Während 80 Prozent der Geschäftsführungen Weiterbildung als strategisch relevant einstufen, teilen nur 42 Prozent der Mitarbeitenden diese Einschätzung. Dabei liegt die Verantwortung für Weiterbildung laut 70 Prozent der Befragten bei den Mitarbeitenden selbst. Drei Viertel wünschen sich sogar, ihre Lernprozesse künftig eigenständig zu gestalten.
Professionelle Anbieter und Coaches bringen Erfolg
Doch Eigenverantwortung braucht mehr als nur gute Absichten – sie braucht klare Orientierung und professionelle Begleitung. Hier kommen qualifizierte Coaches und Weiterbildungsanbieter ins Spiel: Sie liefern nicht nur Inhalte, sondern auch Struktur, Reflexion und individuelle Lernpfade. Das deckt sich mit den Erfahrungen der Studienteilnehmenden.
Seit März 2020 haben 31 Prozent der Befragten mehr Arbeitszeit mit Weiterbildung verbracht, wobei vor allem kostenfreie Online-Seminare, Webkonferenzen und Workshops besucht wurden. Knapp 90 Prozent nutzten kostenfreie Online-Seminare, über zwei Drittel nahmen an Webkonferenzen teil. Bei den kostenpflichtigen Angeboten waren Trainings und Workshops mit 21 Prozent das am häufigsten genutzte Format. Eine knappe Mehrheit der Befragten war zufrieden mit den besuchten Weiterbildungen. Allerdings waren 46 Prozent nur teilweise oder gar nicht zufrieden. Das zeigt die häufige Diskrepanz zwischen der Erwartungshaltung und dem eigentlichen Angebot.
Kostenfreie Schulungen können einen Einstieg in neue Themengebiete sein und Grundwissen vermitteln. Zur strategischen Weiterbildung von Fachkräften und Spezialisten sind jedoch ausreichende Budgets sowie zeitliche Ressourcen von zentraler Bedeutung. Eine ebenso große Rolle spielt die regelmäßige Evaluation der Wirksamkeit der wahrgenommenen Fortbildungsmaßnahmen – ein Aspekt, der laut Studie bislang nur selten systematisch erfolgt.
52 Prozent der Befragten rechnen mit Mehraufwand
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Erwartungen für die Zukunft wider: 52 Prozent der Befragten rechnen mit steigenden Weiterbildungsbudgets, und auch die investierte Arbeitszeit für Lernen soll zunehmen. Jedoch erwarten 61 Prozent der Befragten, dass die Aufmerksamkeitsspanne von Menschen künftig sinkt – Lernformate müssen daher kürzer und prägnanter werden.
Zudem werden Soft Skills von einem Großteil der Befragten wichtiger empfunden als Hard Skills. Gleichzeitig zeigt sich eine gewisse Zurückhaltung gegenüber technologischen Innovationen: Nur 40 Prozent halten die Personalisierung von Lernformaten durch Künstliche Intelligenz für realistisch, 43 Prozent glauben an den Einsatz von Virtual Reality, ebenso viele an die Nutzung von Daten zur Wirksamkeitsmessung. Dass sich Lernende selbstverständlich in der virtuellen Realität bewegen, halten 60 Prozent für wünschenswert – allerdings möchten die meisten nicht, dass Präsenzformate seltener werden oder dass sie ihre Daten für personalisierte Angebote teilen müssen.
69 Prozent der Befragten sind dabei zuversichtlich, dass die Bedeutung von Weiterbildung in den nächsten fünf Jahre deutlich zunimmt. Vermutlich wird sich auch die strategische Ausrichtung ändern und Weiterbildungen werden einen höheren Stellenwert erreichen. Die Studie entwirft dabei zehn Szenarien für die Weiterbildung der Zukunft – und in fast allen wird deutlich: Ohne professionelle Begleitung geht es nicht.
Teresa Zwirner
Szenarien für 2025: So sieht die Weiterbildung von morgen aus
1. Weiterbildung als Wettbewerbsvorteil
Unternehmen mit attraktiven Lernangeboten gewinnen im „War for Talents“.
2. Rückgang von Präsenzformaten
Digitale Formate dominieren, auch aus Kostengründen.
3. Soft Skills im Zentrum
Veränderungsfähigkeit, vernetztes Arbeiten und digitales Führen werden wichtiger als Fachwissen.
4. Eigenverantwortliches Lernen
Mitarbeitende organisieren ihre Weiterbildung selbst, unterstützt durch zentrale Bildungsinstanzen.
5. Hybride Lernwelten
Online- und Offline-Formate verschmelzen, ergänzt durch AR, VR und KI-gestützte Lernpfade.
6. Lernen als Lebensstil
Weiterbildung wird Teil der Selbstverwirklichung – auch im privaten Kontext.
7. Personalisierung durch Daten
Lernende erwarten individuelle Lösungen und geben dafür bereitwillig Daten preis.
8. Wirksamkeit als Maßstab
Anbieter müssen die Effektivität ihrer Angebote nachweisen – das wird zum zentralen Auswahlkriterium.
9. Anbieter als Lernbegleiter
Weiterbildungseinrichtungen agieren zunehmend beratend und gestalterisch.
10. Kürzere Aufmerksamkeitsspannen
Lernformate müssen sich an veränderte kognitive Rahmenbedingungen anpassen.
Info
Die Studie „Weiterbildung 2025“ wurde von der Bitkom Akademie durchgeführt, um zentrale Entwicklungen, Erwartungen und Herausforderungen rund um berufliche Weiterbildung zu untersuchen. Dafür wurden im Frühjahr 2025 mehrere hundert Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen, Institutionen und öffentlichen Verwaltungen in Deutschland befragt. Ergänzt wurde die quantitative Erhebung durch qualitative Experteninterviews. Ziel war es, ein umfassendes Bild davon zu zeichnen, welche Formate, Inhalte und Rahmenbedingungen die Weiterbildung der Zukunft prägen.

