Vier Zukunftsfelder, zwölf Handlungsfelder: Wie Baden-Württemberg die Bauwende schaffen kann

Eine neue Studie zeigt: Baden Württemberg hat gute Voraussetzungen für die Bauwende. Doch Fachkräftemangel, hohe Kosten und komplexe Regeln bremsen. Vier Zukunftsfelder sollen nun den Weg Richtung digitales und klimaneutrales Bauen weisen.

Bauwende in Baden-Württemberg
Gut gerüstet für den Wandel: Laut einer aktuellen Studie bringt Baden-Württemberg starke Voraussetzungen für die Bauwende mit. Foto: Leonhard Weiss

Klimadruck, knappe Materialien, steigende Kosten und digitale Anforderungen verlangen der Baubranche viel ab. Gleichzeitig zeigt die Fraunhofer Studie „Bauen im Wandel“, dass Baden Württemberg für diese Veränderungen besonders gut gerüstet ist und im bundesweiten Vergleich eine starke Ausgangsposition einnimmt. Mit rund 30.000 Architektur- und Ingenieurbüros, etwa 8000 Bauunternehmen und zahlreichen spezialisierten Zulieferern bildet das Land ein eng verzahntes Bauökosystem.

Leistungsstarke Cluster – etwa im Holzbau oder Maschinenbau – sowie zahlreiche Hidden Champions sichern eine hohe Wertschöpfungstiefe. Ergänzt wird dies durch eine dichte Forschungslandschaft und gut ausgebaute Transferstrukturen, die Innovationen in Planung, Materialtechnologie und Produktion ermöglichen. Doch trotz dieser Stärke zeigt die Studie deutliche strukturelle Herausforderungen: ein wachsender Fachkräftemangel, Nachfolgeprobleme im Handwerk, hohe Abhängigkeiten von globalen Lieferketten und langwierige regulatorische Prozesse.

Vier Zukunftsfelder für die Bauwende in Baden-Württemberg

Um weiterhin vorne dabeizubleiben, definiert die Studie für Baden-Württemberg daher vier Zukunftsfelder. Ganz vorne stehe „Bauen im Bestand“. Dieses Feld besitzt laut Studie das größte wirtschaftliche Potenzial. Der Großteil des künftigen Gebäudebestands steht bereits, weshalb energetische Modernisierung und umfassende Sanierungen zentrale Aufgaben sind.

Ebenso wichtig sei das Thema „Zirkuläres Bauen“. Digitale Zwillinge, Materialpässe und vereinfachte Zulassungsverfahren für Sekundärbaustoffe werden zum Schlüssel, um Stoffströme zu schließen und CO₂-intensive Primärbaustoffe zu ersetzen. Auch Digitalisierung werde weiterhin eine große Rolle spielen.

Forschungseinrichtungen wie das IntCDC, Cyber Valley und der Innovationspark KI (IPAI) in Heilbronn schaffen im Land zwar ideale Voraussetzungen, gleichzeitig bleibt laut Studie die Umsetzung in der Breite hinter den Möglichkeiten zurück – bedingt durch Investitionskosten, fehlende Standards und eine geringe Zahl digital qualifizierter Fachkräfte. Letztlich werde auch „Industrialisiertes Bauen“ immer wichtiger. Modulare Systeme, serielle Vorfertigung und automatisierte Bauprozesse sind zentrale Hebel, um schneller und effizienter zu bauen.

Zwölf Handlungsfelder für den Wandel

Um diese Zukunftsfelder wirksam voranzubringen, formulieren die Autoren zwölf übergreifende Handlungsfelder, die den notwendigen Wandel konkret beschreiben. Sie reichen von der grundlegenden Modernisierung des Gebäudebestands und der Verbesserung der Energieeffizienz über die Digitalisierung des Bauens bis hin zu ressourcenschonenden Bauweisen. Auch einfachere Planungs- und Bauprozesse gehören dazu – etwa durch robuste, wartungsarme Lösungen und klarere Regeln, die unnötige Komplexität vermeiden.

Politische Rahmenbedingungen spielen ebenfalls eine große Rolle: Förderprogramme müssen praxistauglicher, Zulassungsverfahren schneller, Regelwerke verständlicher werden. Darüber hinaus betonen die Autoren der Studie, dass neue Baustoffe, technologische Entwicklungen im Energiesektor und intelligentere Anlagen- und Maschinentechnik die Branche voranbringen können.

Das Transformationsforum Bau als wichtiger Impuls

Die Studie macht deutlich: Baden Württemberg hat die strukturellen Voraussetzungen, um eine führende Rolle im klimaneutralen, digitalen und ressourcenschonenden Bauen einzunehmen. Entscheidend werde jedoch sein, die vorhandenen Stärken zu bündeln und die Transformation nicht als Einzelprojekt, sondern als gemeinsamen Prozess der gesamten Branche zu verstehen.

Ein wichtiger Impuls dafür ist das Transformationsforum Bau, das am 21. und 22. April in Heilbronn stattfindet. Im Mittelpunkt steht dort die Frage, wie neue Formen der Zusammenarbeit die Baubranche effizienter, innovativer und widerstandsfähiger machen können.

„Wir wollen gemeinsam mit unseren Referenten, Partnern und den Teilnehmenden den Blick auf neue, erfolgreiche Kooperationsmodelle werfen und innovative Lösungen vorstellen, die der Branche zu mehr Tempo und Effizienz verhelfen“, erklärt Dr. Albrecht Franz, Bereichsleiter am Fraunhofer IRB und Initiator des Transformationsforums Bau.

Teresa Zwirner


Info

Die vollständige Studie „Bauen im Wandel“ ist auf der Seite des Fraunhofer IRB kostenlos herunterladbar.


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