Mehr Sichtbarkeit für die Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken: Warum der neue Markenauftritt der WHF auch dazu dienen soll, die Stärken der Region symbolisch zu transportieren – und was sich die Wirtschaftsförderer von der präsenteren Außenwirkung erhoffen.

Sie winden sich zwischen steilen Rebhängen, bilden Schleifen vorbei an Burgen, Schlössern und Fachwerk, mäandern durch Auen und Wälder: Die fünf bedeutendsten Flüsse Heilbronn-Frankens prägen die Region. An den Ufern des Neckars, an Jagst und Kocher, an Tauber und Main florieren die mittelständisch geprägte und oft seit Generationen familiengeführte Wirtschaft ebenso wie der Tourismus.
Vermutlich waren die fünf Flüsse aber nicht der Grund, warum die Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH (WHF) für ihren neuen Markenauftritt ein Logo in verschiedenen Blautönen wählte. Wasserblau ist tatsächlich nicht die abwegigste gestalterische Klammer für „Vielfalt unter einem Dach“, wie die WHF ihre Funktion selbst beschreibt.
Die Farbe passt ins Gesamtbild, mit dem die Wirtschaftsregion in die Zukunft geht: Das Gemeinsame betonen. „Heilbronn-Franken ist für seine knapp 900.000 Bewohnerinnen und Bewohner keine gewachsene Region wie etwa Oberschwaben, das Allgäu oder die Kurpfalz“, erläutert Bernhard Feßler, Geschäftsführer der WHF. Die Kunst sei es, einen gemeinsamen Konsens des Zusammenhalts zu schaffen und zu prägen.
„Das Rückgrat der Wirtschaft“
Und so wie in Heilbronn-Franken nach Feßlers Worten ganz unterschiedliche Menschen zusammenleben, haben auch die Flüsse in der Region ihre jeweils eigenen Charaktere – ob idyllisch gewunden oder breit und dynamisch. Trotz dieser Unterschiede ermöglichen sie alle ökonomische Stärke und ökologische Fülle – ein System, das die gesamte Wirtschaftsregion prägt und nährt.
Und ein passendes Symbol für die Stärken der vier Landkreise und der Stadt Heilbronn, dem Regionalverband und der Handwerkskammer (HWK), die Gesellschafter der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH sind. Und ein Abbild der Kraftquellen, über die die Region verfügt: Netzwerke, Cluster, Gründergeist, Kultur, Bildungslandschaft und starke Unternehmen. „Heilbronn-Franken bildet das ab, was wir das Rückgrat der Wirtschaft bezeichnen“, sagt Feßler, und meint damit die Lebensader für Wachstum und Wohlstand: gesunder Mittelstand, der sich trotz eines Bergs an Aufgaben nicht abbringen lasse.
Der anpacke, und sich immer wieder neu erfinde. Denn der Erfindergeist der Menschen in der Region, der zivilgesellschaftliche Zusammenhalt, das unternehmerische Wirken und die liebliche Umgebung zwischen Reben und Flüssen seien beeindruckend, schwärmt der WHF-Chef.
Heilbronn-Franken als Wirtschaftsregion stärken
Wo Flüsse fließen, sind für Menschen Verbindungen besonders wichtig. Deshalb möchte der WHF-Chef „Brücken bauen und gelegentliche Mauern lieber abtragen“, wie er sagt. Die WHF will das Verbindende betonen, auch wenn das laut Feßler besonderer Anstrengungen bedarf, „weil es eben kein natürlicher, landsmannschaftlicher Zusammenhalt ist, sondern einer, der sich aus der Kraft und Stärke der Region zwangsläufig ergibt.“
Das bedeute, nie müde zu werden, die vielen kleinen und teils auch großen Institutionen, Vereinigungen, Körperschaften und Verwaltungen unter einem ideellen Dach mit dem gemeinsamen Spirit für die Region zusammenzuführen. Ganz ähnlich wie bei Flüssen soll die Strömung Kraft nach vorn entfalten: „Ich möchte aus der Power der vielen, individuellen Einzelnen eine gemeinsame Kraft für Heilbronn-Franken als Wirtschaftsregion stärken, beleben und immer weiter entfachen“, sagt der WHF-Geschäftsführer.
Das Bild dieser gemeinsamen Stärke lässt sich auch in der Kreisform des neuen Logos erahnen: Um einen blauen Mittelpunkt – vielleicht ein Symbol für Heilbronn als Nukleus für KI und Zukunftstechnologien – ordnen sich vier konzentrische Halb- oder Viertelkreise in Blaunuancen. Zusammen ergeben sie das Oberzentrum, in dem auch die HWK und der Regionalverband ihren Sitz haben, und das umgebende Landkreis-Quartett mit den jeweiligen Wirtschaftsförderungen.
Der neue Markenauftritt der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken
Auf den neuen Markenauftritt haben viele Akteure in den Landkreisen gewartet: „Nach fast 30 Jahren ist es – vor allem auch mit einer neuen Geschäftsführung – durchaus angemessen, das optische Erscheinungsbild anzupassen“, sagt David Schneider, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) des Landkreises Schwäbisch Hall und Mitglied des Fachbeirats der WHF.
Die Aufgabe, Standortmarketing für die Region zu betreiben, sei im Gesellschaftervertrag verankert, „dafür ist ein zeitgemäßer Auftritt sicherlich Voraussetzung“, ist er überzeugt – zumal die WHF das „Ohr ins Wirtschaftsministerium und die Tür zu Fördermitteln“ sei, „die es vielfach auch nur noch auf die regionale Ebene zugeschnitten von dort gibt“.
Auch Marcel Stephan, Leiter des Amts für Wirtschaft und Klimaschutz im Main-Tauber-Kreis, erhofft sich eine deutlich stärkere Sichtbarkeit und Positionierung im Wettbewerb um Fachkräfte, Investitionen und Innovationen: „Ein modernes Erscheinungsbild trägt dazu bei, die Stärken der Region zielgerichtet und zeitgemäß zu kommunizieren“, sagt er. Die Marke soll nun noch klarer machen, wofür Heilbronn-Franken steht: für das Miteinander bei Zukunftsaufgaben und jede Menge Chancen.
Beispielhafte Projekte
Dass die Zusammenarbeit der Landkreise in den einzelnen Projekten der WHF bereits gut funktioniert, zeigt sich für Wirtschaftsförderer Stephan an einzelnen Initiativen: „Ganz konkret arbeitet unsere Energieagentur derzeit mit KEFF+ an der Umsetzung einer Effizienzkarawane im Landkreis. Hier haben Unternehmen vor Ort die Möglichkeit, einen kostenlosen, unverbindlichen Energie- und Materialeffizienz-Check vornehmen zu lassen.“
In Wertheim hätten bereits 14 Unternehmen Termine dafür vereinbart. Die Zahl an Beratungen und gezielten Messekontakten der WHF sind für Stephan und seinen Haller Amtskollegen Schneider ein guter Gradmesser dafür, dass die Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken in der Region wahrgenommen wird.
„Obwohl es im Bereich der Wirtschaftsförderung und des Marketings allgemein immer etwas schwierig ist, ein Ergebnis auf eine bestimmte Maßnahme oder ein bestimmtes Angebot zurückzuführen“, gibt Schneider zu.
„Gemeinsame Power für und Zusammenhalt in unserer Region“
Wegen solcher messbaren Erfolge fiebert Patrick Dufour, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn, der Expo Real im kommenden Oktober in München entgegen: „Wir sind seit Jahrzehnten Teil des Gemeinschaftsstands der WHF auf der deutschen Leitmesse für Immobilien – und damit auch für Ansiedlungsthemen. Ich bin gespannt darauf, wie sich die neue Markenpositionierung auf unseren Stand auswirken wird“, sagt er.
Am liebsten wäre ihm Heilbronn-Franken auf den Gläsern eines namhaften Herstellers von Nuss-Nougat-Creme. Der habe im vergangenen Jahr „Regionalgläser“ in den Handel gebracht. „Es gab das Allgäu, die Alpen, das Ruhrgebiet und einige mehr. Wenn Marketingabteilungen großer Markenartikler und Brands auf die Idee kommen, Heilbronn-Franken zu bewerben, haben wir es endgültig geschafft“, sagt er.
Und genau aus diesen Gründen ist WHF-Chef Bernhard Feßler die verbindlich-kollegiale Zusammenarbeit ein Herzensanliegen. „Gemeinsame Power für und Zusammenhalt in unserer Region“, war, ist und bleibt sein Credo.
Natalie Kotowski


