Erfolgsmenschen der Region: Nikolai Lisiecki, Co-Founder des Start-ups „TravRec“

Technisches Know-how trifft unternehmerisches Denken: Nikolai Lisiecki hat bewusst den Schritt von der Technophysik ins Entrepreneurship gewagt. Im Interview spricht er über prägende Karriereentscheidungen, die Bedeutung von Lernbereitschaft, die richtige Balance zwischen Remote-Arbeit und persönlichem Austausch sowie darüber, warum Erfolg für ihn mehr ist als das Erreichen von Zielen.

Nikolai Lisiecki
Für Nikolai Lisiecki sind Karrierewege keine Einbahnstraße: Der Wechsel von der Technophysik ins Entrepreneurship zeigt, wie neue Perspektiven berufliche Entwicklung voranbringen können. Foto: Nikolai Lisiecki

Welche Entscheidung hat Ihre Karriere am stärksten geprägt – und was hat diese Entscheidung ausgelöst?

Nikolai Lisiecki: Am stärksten geprägt hat mich die Entscheidung, nach meinem Bachelor in Technophysik (Physik und Maschinenbau) bewusst meine fachliche Perspektive zu erweitern und einen Master in Entrepreneurship zu beginnen. Während meines Bachelorstudiums wurde mir zunehmend klar, dass mich technische Innovation zwar weiterhin fasziniert, ich aber nicht ausschließlich an einzelnen technischen Fragestellungen arbeiten möchte.

Mich interessiert besonders, wie aus Ideen konkrete Produkte, Projekte und Unternehmen entstehen. Der Wechsel war deshalb kein Bruch mit meinem technischen Hintergrund, sondern eine bewusste Ergänzung: Heute verbinde ich technisches Verständnis mit einer unternehmerischen Perspektive.

Was war Ihr größter beruflicher Irrtum und was haben Sie daraus gemacht?

Nikolai Lisiecki: Mein größter beruflicher Irrtum war die Annahme, früh genau wissen zu müssen, welchen Weg ich für die nächsten Jahrzehnte einschlagen möchte. Dadurch wirken Entscheidungen schnell größer und endgültiger, als sie tatsächlich sind. Heute frage ich mich weniger, was ich für immer machen möchte, sondern welcher nächste Schritt gerade sinnvoll ist und wobei ich am meisten lernen kann. Viele Entscheidungen lassen sich später anpassen und eröffnen Möglichkeiten, die man vorher noch gar nicht sehen konnte.

Was treibt Sie im Job mehr an: das Ergebnis oder der Weg dorthin?

Nikolai Lisiecki: Mich treibt eher der Weg dorthin an. Ein klares Ergebnis ist wichtig, weil es mir Orientierung gibt. Der größere Teil der Arbeit liegt aber in den vielen Schritten davor. Dabei lerne ich, probiere Dinge aus und passe meinen Kurs immer wieder an. Deshalb ist mir wichtig, dass nicht nur das Ziel motiviert, sondern auch die Art, wie ich darauf hinarbeite.

Wo arbeiten Sie lieber: remote oder vor Ort – und was macht für Sie den Unterschied?

Nikolai Lisiecki: Für mich ist das kein Entweder oder. Remote kann ich sehr konzentriert und selbstständig arbeiten und schätze besonders die Flexibilität, von unterschiedlichen Orten aus arbeiten zu können. Vor Ort entsteht dafür eine andere Qualität des Austauschs. Manche Themen lassen sich gemeinsam schneller lösen, spontane Gespräche ergeben sich leichter und auch das Gefühl als Team wird stärker. Ideal ist für mich deshalb eine bewusste Kombination aus Remote-Arbeit für Fokus und Flexibilität und regelmäßigen Teamtagen für Zusammenarbeit, persönliche Gespräche und Teambuilding.

Wenn es schnell gehen muss: Kopf oder Bauch?

Nikolai Lisiecki: Wenn es schnell gehen muss, entscheide ich aus dem Bauch heraus, nachdem mein Kopf die wichtigsten Risiken geprüft hat. Ich frage mich dabei häufig, ob ich mich später darüber ärgern würde, eine Chance nicht genutzt zu haben. Bleibt danach Unsicherheit, vertraue ich meiner Intuition. Mein Bauchgefühl ist für mich kein Beweis, aber häufig ein Hinweis auf etwas, das mein Kopf noch nicht vollständig eingeordnet hat.

Was bedeutet Erfolg für Sie heute?

Nikolai Lisiecki: Erfolg bedeutet für mich heute, in einem inspirierenden Team an sinnvollen Lösungen zu arbeiten, die gesellschaftlichen Mehrwert schaffen und langfristig wirtschaftlich tragfähig sind.


Zur Person

Nikolai Lisiecki ist Co-Founder von „TravRec“. Das Start-up entwickelt eine Reise-App, die es den Nutzerinnen und Nutzern ermöglicht, ihre Lieblingsplätze und Geheimtipps mit ihrer Community zu teilen.


Mehr zum Thema

Robert Schwan

Erfolgsmenschen der Region: Robert Schwan von der experimenta

Mutig Chancen ergreifen, auf das eigene Bauchgefühl vertrauen und Erfolg nicht nur an Zahlen messen: Für Robert Schwan von der …
Sabrina Amon

Erfolgsmenschen der Region: Sabrina Amon, Chefredakteurin bei Radio TON-Regional

Sabrina Amon hat Mut zum Neuanfang bewiesen, indem sie vom Beruf der Rechtsanwaltsfachangestellten in die Medienbranche wechselte. Im Interview spricht …
Philipp Geitner

Erfolgsmenschen der Region: Philipp Geitner, Co-Founder des Start-ups „TravRec“

Karriere bedeutet nicht immer den geradlinigen Aufstieg. Philipp Geitner tauschte eine Senior-Position im Großkonzern gegen eine mehrjährige Weltreise. Im Interview …