Wie Weiterbildung dem Fachkräftemangel entgegenwirkt

Mitarbeiter, deren Jobs künftig der Automatisierung zum Opfer fallen könnten, nehmen seltener an Weiterbildungen teil. Das ergab eine Umfrage des TUM Campus. Die Ergebnisse wertet unser Gastautor Prof. Dr. Philipp Lergetporer als Appell für konsequente Qualifikation.

Weiterbildung in Zeiten des Fachkräftemangels
Am TUM Campus Heilbronn wird erforscht, wie Weiterbildung dem Fachkräftemangel entgegenwirkt. Fotos: Matt Stark, Terzo Algeri/Fotoatelier M

Der Fachkräftemangel bleibt eine der zentralen Herausforderungen für den deutschen Arbeitsmarkt – und zugleich eine Chance für Innovation. Laut einer aktuellen Statista-Studie gibt es im Jahresdurchschnitt 2025 rund 640.000 offene Stellen. In einem Arbeitnehmermarkt mit wenigen aktiv suchenden Fachkräften wird es wichtiger denn je, gezielt zu erreichen und zu überzeugen. Gleichzeitig verändert die Digitalisierung – und mit ihr die Automatisierung – die Arbeitswelt tiefgreifend. Am Lehrstuhl für Economics des TUM Campus Heilbronn wird seit Jahren an genau diesen Schnittstellen geforscht: mit dem Ziel, durch innovative Ansätze konkrete Lösungen für Wirtschaft und Gesellschaft zu entwickeln.

Dafür wurden die Erwartungen von 1100 Führungskräften von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in Deutschland abgefragt. Das Ergebnis: Der Fachkräftemangel stellt bereits eine zentrale Herausforderung in Unternehmen dar, und die meisten erwarten eine Verschärfung der Situation. Doch es zeigt sich auch, dass die Mehrheit der Unternehmen bereits Strategien plant, um dem Fachkräftemangel in Zukunft zu begegnen: 78,2 Prozent der Unternehmen zogen beispielsweise Gehaltserhöhungen in Betracht, während 69,7 Prozent planen, Quereinsteiger umzuschulen oder zu qualifizieren.

Personalentwicklung fest in die Organisation integrieren

Gerade im Kontext von Künstlicher Intelligenz und Automatisierung braucht es Mitarbeitende, die mit den technologischen und strukturellen Veränderungen souverän umgehen können. Unternehmen sind gefordert, ihre Teams gezielt weiterzubilden – und diese Maßnahmen fest in ihre Organisation zu integrieren. Am TUM Campus Heilbronn wurden dazu in einer bevölkerungsrepräsentativen Online-Umfrage Teilnehmende zum Thema „Automatisierbarkeit“ befragt.

Falsche Einschätzung des Automatisierungsrisikos

Dabei zeigt sich, dass die Beteiligungsraten an Weiterbildungen von Arbeitnehmenden, deren Berufe durch Automatisierung besonders gefährdet sind, geringer sind als von weniger Gefährdeten. Der Hauptgrund dafür ist eine falsche Einschätzung des Automatisierungsrisikos des eigenen Berufs – also der Irrglaube, dass der eigene Job nicht betroffen ist. Werden die Teilnehmenden allerdings mit Informationen hinsichtlich der Automatisierbarkeit ihrer Berufe konfrontiert, nehmen sowohl ihre Sorgen um den Arbeitsmarkt als auch ihre Bereitschaft, sich weiterzubilden, zu. Hier können Unternehmen durch Aufklärung viel bewegen und Mitarbeitende für die Zukunft der Arbeitswelt gut vorbereiten.

Die Arbeitswelt verändert sich – sowohl im Hinblick auf den immer härteren „War for Talents“ unter Unternehmen als auch auf die Art unserer Arbeit selbst: Die Digitalisierung und Automatisierung verändern Jobprofile und Anforderungen. Qualifizierte Fachkräfte müssen daher eine stetige Lernbereitschaft mitbringen, um mit dem Wandel mithalten zu können. Unternehmen können dem Fachkräftemangel entgegenwirken, indem sie ihre Belegschaft fit für die Zukunft machen, kontinuierliche Weiterbildungsmaßnahmen anbieten und die Arbeitnehmer über die Problemlage der Automatisierbarkeit aufklären.

Philipp Lergetporer


Zur Person

Als Professor für Volkswirtschaft lehrt Prof. Dr. Philipp Lergetporer seit 2021 an der Technischen Universität München am Campus Heilbronn. Philipp Lergetporer ist ein empirischer Wirtschaftswissenschaftler, der politikrelevante Forschung an der Schnittstelle von Bildungsökonomik, Verhaltensökonomik und politischer Ökonomie betreibt. Sein besonderes Interesse gilt Fragen im Zusammenhang mit wirtschaftlicher und bildungsbezogener Ungleichheit.


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