In Praxis und persönlichen Gesprächen können Berufsstarter am 20. Juni beim Berufsinfotag am Berufsschulzentrum Künzelsau in Kontakt zum künftigen Arbeitgeber kommen. Für Schulabgänger ist das wichtiger denn je, denn laut einer Studie leiden sie selbst unter wachsender Unsicherheit.

Als ob die Welt nicht ohnehin schon unübersichtlich genug wäre: Angebote und Versprechungen in Social Media. Die Aussicht, dass Künstliche Intelligenz Berufsbilder in Zukunft vollkommen verändern wird. Immer wieder Nachrichten über Krisenstimmung in der Wirtschaft. Für junge Menschen, die kurz vor ihrem Schulabschluss stehen, kommt sogar noch ein Unsicherheitsfaktor hinzu: Sie müssen in einer Zeit des Wandels die Weichen für ihre berufliche Zukunft stellen.
Vielleicht deshalb ist Sicherheit für junge Menschen bei der Jobwahl mittlerweile das Wichtigste. Das zeigt sich in den Ergebnissen des Azubireports 2025/26, den das Portal ausbildung.de wie jedes Jahr erhoben hat: Drei von vier Auszubildenden nennen darin einen sicheren Arbeitsplatz als wichtigste Anforderung an ihre berufliche Zukunft – deutlich vor Gehalt, Karriere und Selbstverwirklichung. Noch im Vorjahr hatten erheblich weniger Jugendliche Jobsicherheit als Top-Kriterium angegeben.
Viele Schulabgänger tun sich bei der Berufswahl schwer
Doch dem Wunsch nach Stabilität und Planung steht bei vielen Schulabgängern offenbar eine wachsende Ratlosigkeit gegenüber: Fast die Hälfte der Befragten im Azubireport gab an, dass es schwer für sie war, sich die Zukunft in einem Beruf vorzustellen. 42 Prozent der Schulabgänger hatten Schwierigkeiten, ihre eigenen Stärken und Talente zu erkennen.
Und das, obwohl ein gutes Drittel die Ausbildungssuche mit mehr als einem Jahr Vorlauf begonnen hatte. Es scheint, als ob Patrick Wagner, Schulleiter der Kaufmännischen Schule Künzelsau, auch in diesem Jahr ganze Arbeit leisten muss beim Berufsinfotag (BIT) im Berufsschulzentrum am Künzelsauer Schippberg an der Jahnstraße.
Der Berufsinfotag am Berufsschulzentrum Künzelsau bietet Orientierung
Die Mission am 20. Juni von 9 bis 14 Uhr ist klar: Orientierung bei der Berufswahl geben. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der Gewerblichen Schule und der Karoline-Breitinger-Schule haben Wagner, seine Kollegin Claudia Bader und das Orga-Team erneut mehr als 100 Unternehmen und Institutionen aller Branchen aus der Wirtschaftsregion Hohenlohe und dem Landkreis Schwäbisch Hall eingeladen, die Schüler informieren und Einblicke in potenzielle Traumjobs geben.
„Ausbildungsplatzsuchende können sich direkt an den Messeständen informieren und ihre Fragen auf Augenhöhe anderen jungen Menschen stellen, die bereits eine Ausbildung absolviert haben oder gerade dabei sind“, sagt Wagner.
Die Veranstaltung ist mehr als nur eine Ausbildungsmesse
Ob Handwerk, Gesundheitssektor, Pflege, Industrie, öffentlicher Dienst oder kaufmännische Berufe: „Im Umkreis von 30 bis 50 Kilometern sind eigentlich alle Firmen bei uns vertreten“, sagt der Schulleiter. Der BIT will deshalb nach seinen Worten auch in der 18. Auflage mehr sein als nur eine Ausbildungsmesse:
„Die Schüler gehen nicht einfach anonym auf das Gelände, sie werden von unseren Lehrerteams persönlich empfangen. Dort wird schonmal abgeklopft: Worauf hast Du Lust, was interessiert Dich?“, erläutert Wagner. Je nach Vorliebe gebe es dann schon Hinweise, wo die passenden Stände zu finden sind. Noch dazu bekommt jeder Besucher am Eingang einen Rallye-Pass in die Hand gedrückt.
Denn wie schon in den Vorjahren führt auch bei der diesjährigen Auflage des BIT eine Nachhaltigkeitsrallye mit spannenden Aufgaben quer über das Event-Gelände. Wer sich gut schlägt, kann vielleicht – außer mit wertvollen Einblicken, Kennlerngesprächen und Bewerbungsoptionen – zusätzlich mit einem nachhaltigen Preis nach Hause gehen. Natürlich nicht, ohne sich bei Kaffee und Waffeln in der Mensa gestärkt und sich bei Live-Musik die Zukunft ausgemalt zu haben.
Berufsinfotag mit persönlicher Ansprache und wertvollen Praxiseinblicken
Um kurz vor 9 Uhr wird der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Tim Breitkreuz den Berufsinfotag offiziell eröffnen, danach kann die Traumjob-Entdeckertour auf dem Schulareal losgehen. Während auf der Bühne des Event-Areas Gäste aus Politik, Wirtschaft und Bildung referieren und diskutieren, heißt es für interessierte Schulabgänger in den Werkstätten und Räumen der Gewerblichen Schule im nicht ganz wörtlich zu nehmenden Sinn: „Probieren geht über studieren“.
An Praxisstationen erhalten sie zum Beispiel aus erster Hand Einblicke ins Elektro- und Metallhandwerk, können mit Experten einen Ventilator bauen, ein Bewerbertraining durchlaufen, CNC-Programmierung kennenlernen oder erste Schritte in die Welt der Finanzen wagen.
Persönliche Ansprache und Praxis-Einblicke: Beides könnte verhindern, dass es den Besuchern später so ergeht wie manchen Befragten des Azubireports. Denn: Wenn Berufsanfänger ihre Ausbildung abbrechen, dann oft, weil im Vorweg Klarheit fehlte – das zeigt die Studie mit Blick auf die Beweggründe der Abbrecher: 27 Prozent hatten keinen Spaß an den Aufgaben, fast ebenso viele hatten sich den Beruf anders vorgestellt. Schulleiter Wagner sieht sich bei der Vorarbeit allerdings auch selbst in der Pflicht: „Künftig werden wir Schulen noch besser informieren, damit wir unsere Besucher möglichst passgenau durch die Veranstaltung leiten können.“
Für den diesjährigen Berufsinfotag auf dem Schippberg sind Wagner und seine Mitorganisatoren allerdings bestens gerüstet: Auf der Website www.berufsinfotag.de hält das BIT-Team schon alle nötigen Infos parat – von Shuttle-Bus-Plänen über Infos zu den Unternehmen und Ausbildungsgängen bis zum eigenen Film und der eingängigen BIT-Hymne, deren Text aus Wagners Feder stammt. Eine Textzeile zitiert der Schulleiter dann auch passenderweise: „So kann man schon im Vorfeld einen tollen Eindruck bekommen, wie auf dem Schippberg die Zukunft neu geschrieben wird.“
Natalie Kotowski


