Azubis als Wegweiser: Heilbronn-Frankens Ausbildungsbotschafter geben Schülern Einblicke in die Praxis

Wenn Jugendliche vor der Berufswahl stehen, fehlt oft der reale Bezug zur Arbeitswelt. In Heilbronn‑Franken geben Auszubildende selbst Antworten: Als Ausbildungsbotschafter berichten sie in Schulen aus ihrem echten Arbeitsalltag und zeigen, wie vielfältig Ausbildung in der Region sein kann.

Ausbildungsbotschafter
Beim Workshop „MuT – Miteinander Talente entdecken“ konnten Mädchen praxisnahe Einblicke in kreative sowie technische Tätigkeitsfelder gewinnen. Foto: FABI

Wenn Schülerinnen und Schüler vor der Entscheidung über ihren beruflichen Weg stehen, fehlt es häufig an konkreten Einblicken in die Arbeitswelt. Genau hier setzt die Initiative der Ausbildungsbotschafter in der Region Heilbronn‑Franken an.

Auszubildende aus regionalen Betrieben besuchen Schulklassen und berichten aus erster Hand über ihren Berufsalltag, ihren Ausbildungsweg und persönliche Erfahrungen. Im Main‑Tauber‑Kreis wird das Programm seit Beginn der landesweiten Initiative vom Firmenausbildungsverbund e. V. Main‑Tauber (FABI) koordiniert.

Eine Schnittstelle zwischen Schulen, Betrieben und Auszubildenden

„Unsere Aufgabe besteht darin, geeignete Auszubildende aus regionalen Unternehmen für das Projekt zu gewinnen, sie auf ihre Einsätze vorzubereiten und die Schulbesuche organisatorisch zu koordinieren“, erläutert Angela  Meglio‑Fritzmann, Geschäftsführerin des FABI.

Der Verein übernimmt dabei eine zentrale Schnittstellenfunktion zwischen Schulen, Ausbildungsbetrieben und den Auszubildenden. Finanziert wird die Initiative in der Region durch das Land Baden‑Württemberg sowie den Main‑Tauber‑Kreis.

Vor ihrem Einsatz werden die angehenden Ausbildungsbotschafter in speziellen Schulungen vorbereitet. „Dabei geht es um Präsentationstechniken, die Kommunikation mit Schulklassen und darum, die eigene Ausbildung authentisch und praxisnah vorzustellen“, so Meglio‑Fritzmann.

Ausbildungsbotschafter berichten über den Berufsalltag

Dass Auszubildende Jugendliche besonders gut erreichen, bestätigt die Erfahrung aus der Praxis. „Auszubildende begegnen Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe“, betont die FABI‑Geschäftsführerin. Sie befänden sich selbst noch in einer Lebensphase, die den Jugendlichen sehr nah sei, und könnten daher glaubwürdig berichten.

„Wer könnte junge Menschen besser für eine duale Ausbildung begeistern als Gleichaltrige, die den Schritt von der Schule in die Ausbildung gerade selbst gegangen sind?“, so Meglio-Fritzmann.

Die persönlichen Erfahrungsberichte hätten für viele Jugendliche ein deutlich größeres Gewicht als theoretische Informationen. Ausbildungsbotschafter sprächen offen über Herausforderungen und Chancen und vermittelten konkrete Einblicke aus dem Berufsalltag.

„Praxisnahe und ehrliche Einblicke“

Die Rückmeldungen aus den Schulen fallen entsprechend positiv aus. Viele Schülerinnen und Schüler hätten vor den Einsätzen noch keine klare Vorstellung davon, welche beruflichen Möglichkeiten es in der Region gibt oder wie eine Ausbildung tatsächlich abläuft. „Durch die Gespräche mit den Ausbildungsbotschafterinnen und ‑botschaftern erhalten sie praxisnahe und ehrliche Einblicke“, sagt Meglio‑Fritzmann.

Besonders geschätzt werde, dass Themen wie Arbeitsalltag, Bewerbungsprozess oder persönliche Erfahrungen verständlich und offen angesprochen würden. Häufig trügen die Einsätze dazu bei, Unsicherheiten bei der Berufswahl abzubauen und Orientierung zu schaffen.

Offener Austausch „auf Augenhöhe“

Einer der Ausbildungsbotschafter ist Manuel Kavcic, der aktuell eine Ausbildung als Fachinformatiker für Systemintegration bei der Systemair GmbH in Boxberg absolviert. „Ich möchte meine eigenen Erfahrungen aus der Ausbildung an Schülerinnen und Schüler weitergeben“, sagt er.

Lange Zeit habe er selbst nicht gewusst, welchen Beruf er ergreifen wolle. Die Schulung bei FABI habe ihm geholfen, „authentisch über meinen eigenen Werdegang zu sprechen und einen realistischen Einblick in den Berufsalltag zu vermitteln“.

Bei seinen Schuleinsätzen stellt Kavcic seinen Ausbildungsberuf vor, berichtet offen über Herausforderungen und Chancen und beantwortet Fragen rund um Berufswahl und Ausbildung. „Der Austausch auf Augenhöhe ist besonders wichtig, da Schülerinnen und Schüler oft offener mit einem Auszubildenden sprechen.“

Den ländlichen Raum als Ausbildungsort stärken

Auch mit Blick auf die Fachkräftesicherung spielt die Initiative eine wichtige Rolle. Im ländlichen Raum geht es nicht nur darum, Berufe vorzustellen, sondern Perspektiven vor Ort sichtbar zu machen. Ausbildungsbotschafter zeigen, dass attraktive Karrierewege nicht zwangsläufig in Großstädten beginnen müssen. Viele Jugendliche lernen erstmals Unternehmen aus ihrer unmittelbaren Umgebung kennen. Das stärkt das Bewusstsein für eine „Karriere in der Heimat“ und kann dazu beitragen, Fachkräfte langfristig in der Region zu halten.

Die nachhaltige Wirkung zeigt sich auch ganz praktisch: Nach Schulbesuchen entstünden häufig Praktikumsanfragen oder erste Kontakte zu Betrieben, aus denen später Ausbildungsverhältnisse hervorgehen. Gleichzeitig profitierten die Auszubildenden selbst von ihrer Rolle. „Sie stärken ihre Kommunikations‑ und Präsentationsfähigkeiten, übernehmen Verantwortung und identifizieren sich noch stärker mit ihrem Beruf und ihrem Unternehmen“, so Meglio‑Fritzmann.

Angesichts eines zunehmend angespannten Ausbildungsmarktes werde die Bedeutung der Initiative weiter wachsen. „Umso wichtiger ist eine frühe, praxisnahe und glaubwürdige Berufsorientierung – genau hier setzen die Ausbildungsbotschafter an.“

Teresa Zwirner

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