Studie belegt: Homeoffice-Quote bleibt trotz Konjunkturschwäche auf hohem Niveau

Homeoffice hat sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt etabliert: Rund jedes fünfte Stellenangebot ermöglicht inzwischen mobiles Arbeiten. Besonders häufig profitieren Beschäftigte in IT-Berufen und Ballungsräumen. Spitzenreiter unter den Großstädten ist Stuttgart.

Homeoffice trotz Konjunkturschwäche
Flexible Arbeitsmodelle bleiben gefragt. Besonders in IT-Berufen gehört Homeoffice inzwischen vielfach zum Standard. Foto: Adobe Stock/Mediteraneo

Der Trend zum Homeoffice setzt sich fort. Inzwischen enthält rund jedes fünfte Stellenangebot die Möglichkeit, zumindest teilweise remote zu arbeiten. Vor der Corona-Pandemie war dies lediglich bei 3,7 Prozent der online ausgeschriebenen Stellen der Fall. Bis 2022 stieg der Anteil auf 16,8 Prozent und liegt seit 2024 stabil bei etwa 20 Prozent. Das zeigt die Analyse von 79 Millionen Online-Stellenanzeigen des Jobmonitors der Bertelsmann Stiftung.

Auch die anhaltende Konjunkturschwäche hat diese Entwicklung nicht gebremst, erklärt Gunvald Herdin in einer Mitteilung der Stiftung. „Wer geglaubt hat, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten alle wieder ins Büro zurückkehren müssen, hat sich getäuscht. Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben”, so der Arbeitsmarktexperte.

Männerdominierte Berufe mit hohem Homeoffice-Anteil

Besonders in Berufen mit einem hohen Männeranteil, vor allem in IT-Jobs, besteht die Möglichkeit für Homeoffice. In frauendominierten Tätigkeiten, die häufig durch den direkten Kontakt mit Menschen geprägt sind, werden entsprechende Optionen deutlich seltener angeboten. So findet sich mit der Steuerberatungsfachkraft erst auf Rang 14 des Rankings ein Beruf, in dem überwiegend Frauen tätig sind.

Insgesamt bieten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in 13 Prozent der frauendominierten Berufe die Möglichkeit zum Homeoffice an. Bei männerdominierten Berufen liegt der Anteil bei 22 Prozent. Besonders ausgeprägt ist die Differenz bei hochqualifizierten Tätigkeiten: Während in 22 Prozent der frauendominierten Berufe mit Hochschulabschluss Remote-Arbeit angeboten wird, beträgt der Anteil bei männlich dominierten akademischen Berufen knapp 46 Prozent und ist damit mehr als doppelt so hoch.

„Homeoffice ist ein wichtiges Vereinbarkeitsinstrument. Gerade für Eltern und Pflegende ist ortsflexibles Arbeiten oft entscheidend. Für Alleinerziehende gilt das in besonderem Maße, weil zeitraubende Arbeitswege wegfallen”, erklärt Arbeitsmarktexpertin Michaela Hermann. „Aber weder der Gender Care Gap noch der Gender Pay Gap verschwinden deshalb automatisch. Wir brauchen auch Vereinbarkeitsangebote in Berufen mit engem Kontakt zu Menschen – etwa in Erziehung, Pflege und Gesundheit.”

In diesen Berufen sollten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber gezielt Rahmenbedingungen schaffen, die die Zeitsouveränität erhöhen. Wichtig sei außerdem, Angebote für mobiles Arbeiten klar zu kommunizieren, denn flexible Arbeitsformen erhöhen die Attraktivität dieser Stellen für Menschen mit Sorgeverantwortung. „Wer allerdings Homeoffice mit ständiger Verfügbarkeit oder der Verpflichtung zu Überstunden verwechselt, lässt das gleichstellungspolitische Potenzial von Homeoffice ungenutzt”, so Hermann. 

Homeoffice besonders bei Akademikern verbreitet

Homeoffice gehört insbesondere in der IT-Branche inzwischen nahezu zum Standard. Sieben der zehn Berufe mit der höchsten Homeoffice-Quote stammen aus dem Bereich Software und Informationstechnologie. So enthielten 2025 rund 69 Prozent der Stellenangebote für Expertinnen und Experten der IT-Anwendungsberatung die Möglichkeit zum Remote-Arbeiten. Bei Netzwerkspezialistinnen und Netzwerkspezialisten lag der Anteil bei 64 Prozent.

Den stärksten Zuwachs verzeichneten Steuerberaterinnen und -berater. Für diese Berufsgruppe boten 2025 insgesamt 67 Prozent der Stellenausschreibungen eine Homeoffice-Option. Gegenüber 2019 entspricht das einem Anstieg um 61 Prozentpunkte.

Homeoffice bleibt vor allem Beschäftigten mit höheren Qualifikationen vorbehalten. So arbeiten 35 Prozent der Akademikerinnen und Akademiker im Homeoffice. Bei Beschäftigten mit Meister- oder Bachelor-Abschluss liegt der Anteil mit 30 Prozent etwas niedriger. Auf Niveau der Helferinnen und Helfer hingegen erhalten lediglich vier Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein entsprechendes Angebot.

„Als Hilfskraft sind die Chancen gering. Je höher die Anforderungen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, im Homeoffice arbeiten zu können“, so Herdin.

Stuttgart ist Homeoffice-Hauptstadt

Bei den Homeoffice-Angeboten zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen urbanen und ländlichen Regionen. In Ballungsräumen bieten Unternehmen ihren Beschäftigten wesentlich häufiger die Möglichkeit zum Arbeiten von zu Hause. In Großstädten liegt die Homeoffice-Quote bei gut 28 Prozent.

Spitzenreiter ist Stuttgart: Dort enthalten 38 Prozent der Stellenangebote eine Homeoffice-Option. Dahinter folgen Düsseldorf mit 37 Prozent und Frankfurt am Main mit 36 Prozent.

Deutlich seltener wird Homeoffice in dünn besiedelten Landkreisen angeboten, etwa in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Grund dafür ist die unterschiedliche Branchenstruktur: In Ballungsräumen sind mehr Unternehmen ansässig, die traditionell Homeoffice ermöglichen, darunter zahlreiche IT-Unternehmen.

Red.

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