Die Beschäftigung von Frauen in Baden‑Württemberg hat sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Dies belegt ein Bericht des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung e.V. (IAW). Doch strukturelle Unterschiede – etwa bei Teilzeit, Branchenverteilung und Führungspositionen – bestehen weiterhin.

In den vergangenen Jahren haben sich die Beschäftigtenzahlen von Frauen in Baden-Württemberg positiv entwickelt. Trotzdem bestehen am Arbeitsmarkt nach wie vor strukturelle Unterschiede zwischen Frauen und Männern
Dies geht aus einem neuen Bericht zur geschlechterspezifischen Beschäftigungsentwicklung im Land hervor, den das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung e.V. (IAW) bereits am 16. April 2026 im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg vorstellte. Dies berichtet das Land Baden-Württemberg in einer Mitteilung.
Der Frauenanteil unter den Beschäftigten ist in Baden-Württemberg gestiegen
„Der Bericht zeigt klar: Frauen tragen in Baden-Württemberg zunehmend zur Beschäftigungsentwicklung bei“, kommentiert die baden-württembergische Arbeits- und Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut die veröffentlichten Ergebnisse. „Gleichzeitig bestehen weiterhin strukturelle Hürden – etwa bei Teilzeit, Vereinbarkeit und dem Zugang zu Führungspositionen. Hier müssen wir die Rahmenbedingungen weiter verbessern, insbesondere bei der Kinderbetreuung und der Unterstützung von Beschäftigten mit Pflegeverantwortung.“
Im Jahr 2024 erreichte der Anteil der Frauen an der Gesamtbeschäftigung in Baden-Württemberg 47 Prozent und entsprach damit dem bundesweiten Durchschnitt. Verglichen mit 2011 entspricht dies einem Anstieg um drei Prozentpunkte. Außerdem entwickelte sich die Beschäftigung von Frauen im Land in den letzten Jahren dynamischer als die Gesamtbeschäftigung.
Hoher Frauenanteil bei den Teilzeitbeschäftigten
Die strukturellen Hürden, die der Bericht trotz dieser positiven Entwicklung veranschaulicht, zeigen sich besonders deutlich bei der Teilzeitbeschäftigung. So arbeiteten im ersten Halbjahr 2024 51 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in Teilzeit, bei den Männern waren es 15 Prozent. Vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen, in der öffentlichen Verwaltung sowie im Handel sind die Teilzeitanteile hoch.
Ebenso unterscheidet sich auch die Verteilung von Frauen und Männern auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche weiterhin deutlich. Rund 55 Prozent der erwerbstätigen Frauen arbeiten im Dienstleistungssektor, im Produzierenden Gewerbe sind es dagegen nur ungefähr 15 Prozent. Zwar steigt die Frauenbeschäftigung seit 2020 auch dort an, die Entwicklung bleibt allerdings hinter jener im Dienstleistungssektor zurück.
In Führungspositionen sind Frauen zudem weiterhin unterrepräsentiert. Obwohl im Jahr 2024 47 Prozent aller Beschäftigten Frauen waren, entfielen lediglich 30 Prozent der Positionen auf der ersten Führungsebene und 42 Prozent der Positionen auf der zweiten Führungsebene auf sie.
Besonders auf der zweiten Führungsebene zeigt sich hier jedoch auch eine positive Entwicklung. Seit 2012 stieg der Frauenanteil in diesem Bereich von 33 auf 42 Prozent an. Auf der ersten Führungsebene war ein entsprechender Anstieg von 25 auf 30 Prozent zu beobachten.
Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle lohnen sich für Unternehmen
Die Analyse zeigt zudem, dass betriebliche Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf von großer Bedeutung sind. 56 Prozent der baden-württembergischen Unternehmen ermöglichen es ihren Beschäftigten, ihre Arbeitszeiten familienfreundlich zu gestalten. 20 Prozent halten den Kontakt zu Beschäftigten in Elternzeit aufrecht, 13 Prozent bieten Unterstützung bei der Kinderbetreuung und zehn Prozent helfen Beschäftigten mit pflegebedürftigen Angehörigen. Insgesamt 63 Prozent der Betriebe in Baden-Württemberg bieten mindestens eine solche Maßnahme an.
Obwohl es sich dabei um keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang handeln muss: Baden-württembergische Unternehmen mit mindestens einer Maßnahme zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf weisen – bereinigt um weitere Faktoren – durchschnittlich einen höheren Frauenanteil bei den Neueinstellungen auf als Betriebe ohne derartige Maßnahmen. Besonders deutlich ist dieser Zusammenhang in kleineren Betrieben mit zehn bis 49 Beschäftigten. Vor allem die familienfreundliche Arbeitszeitgestaltung scheint dafür verantwortlich zu sein.
Red.


