„Wir müssen zurück zum Leistungsglück“: Journalistin und Moderatorin Nena Brockhaus im Interview

In Zeiten von Arbeitszeitdebatten und Wertewandel fordert Nena Brockhaus eine Rückbesinnung auf Leistungsbereitschaft. Im Gespräch erklärt die Journalistin, was Teams stark macht – und warum der Zukunftswiesen Summit ein Ort echter Chancen ist.

Nena Brockhaus
Nena Brockhaus glaubt nicht, dass man komplexe wirtschaftliche Probleme mit einfachen Schlagworten lösen kann. Foto: Tatiana Huber

Deutschland habe den „Willen zum Erfolg“ verloren, sagen Sie. Was bedeutet das konkret für Unternehmen heute?

Nena Brockhaus: Ich glaube tatsächlich, dass wir in Deutschland ein Stück weit den Willen zum Erfolg verloren haben. Wir müssen zurück zum Leistungsglück. Anstatt ständig über die Vier-Tage-Woche oder Work-Life-Balance zu meckern, sollten wir lieber für das Leistungsglück kämpfen. Wir Menschen sind oft glücklicher, wenn wir etwas tun, wenn wir etwas erreichen, etwas erleben, uns anstrengen, uns vielleicht sogar anfangs überwinden müssen und später belohnt werden. Und was die Unternehmen betrifft, gilt: vorleben! Der Chef, der um 17 Uhr den Stift fallen lässt, kann nicht erwarten, dass seine Mitarbeiter um 20 Uhr erreichbar sind.

Welche Rolle spielen Tugenden wie Zuverlässigkeit, Disziplin und Ehrgeiz in diesem Kontext?

Brockhaus: Diese Tugenden sind keine altmodischen Begriffe. Sie sind das Fundament jeder funktionierenden Zusammenarbeit. Zuverlässigkeit bedeutet, dass sich Menschen aufeinander verlassen können. Disziplin hilft, auch dann konzentriert zu bleiben, wenn es anstrengend wird. Und Ehrgeiz sorgt dafür, dass Teams sich weiterentwickeln wollen. Gerade in Krisenzeiten entsteht Resilienz nicht aus Komfort, sondern aus der gemeinsamen Erfahrung: Wir ziehen hier zusammen durch. Und wenn man gemeinsam die Extrameile geht, entsteht oft etwas Magisches. Diese Magie bezeichne ich gern als Leistungsglück.

„Wir müssen alle wieder mehr Gas geben”

In der Debatte um Arbeitszeitverkürzung: Wo sehen Sie Risiken für die Leistungskultur?

Brockhaus: Ich halte nichts davon, komplexe wirtschaftliche Herausforderungen mit einfachen Schlagworten zu beantworten. Natürlich kann es in einzelnen Branchen oder Unternehmen funktionieren. Aber wenn eine Volkswirtschaft insgesamt weniger arbeitet, während gleichzeitig Fachkräfte fehlen und der internationale Wettbewerb harscher wird, dann ist das zumindest eine sehr riskante Richtung. Leistungskultur lebt davon, dass wir Erfolg nicht nur wollen, sondern auch bereit sind, etwas dafür zu tun.

Viele Menschen setzen heute andere Prioritäten als früher. Was steckt hinter diesem Wandel?

Brockhaus: Wir leben in einer sehr wohlhabenden Gesellschaft, in der die Grundbedürfnisse für viele gesichert sind. Das verändert die Prioritäten. Fakt ist: Wir müssen alle wieder mehr Gas geben. Jeder einzelne von uns. Ansonsten werden wir weiterhin Deutschlands Abstieg hautnah miterleben.

Kann dieser Wertewandel auch neue Ressourcen und Effizienzen schaffen?

Brockhaus: Aktuell würde ich das verneinen. Der Wertewandel führt dazu, dass die Erwartung entsteht, dass Wohlstand dauerhaft ohne Leistung gesichert werden kann. Eine erfolgreiche Volkswirtschaft braucht immer Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu tragen und etwas zu bewegen.

Verschiedene Generationen und ihre Kompetenzen

Wo entstehen aus Ihrer Sicht aktuell die größten Missverständnisse zwischen den Generationen?

Brockhaus: Mein Vortrag über alte weise Männer und das Leistungsglück ist vor allem ein Plädoyer für den Individualismus! Es gibt selbstverständlich unter der Gen Z junge Menschen, die keine Lust auf Arbeit haben, die von der Vier-Tage-Woche träumen und die Life-Work Balance favorisieren. Aber auch unter den Boomern gibt es diejenigen, die ihren Arbeitsplatz mit Kitsch-Tasse und angeklebten Urlaubspostkarten ausstatten, wo der Donnerstag bereits der kleine Freitag ist. Umgekehrt gibt es viele Angehörige der Generation Z, die Freude an Leistung, Einsatz und Aufstieg haben. Wie immer: Das Individuum zählt.

Gibt es Kompetenzen, von denen die jeweils andere Generation besonders profitieren kann?

Brockhaus: Von der Gen Z kann man lernen, stärker auf Effizienz, Technologie und Selbstreflexion zu achten. Viele junge Menschen hinterfragen Arbeitsprozesse sehr klug. Umgekehrt können jüngere Generationen von erfahrenen Mitarbeitenden lernen, wie wichtig Ausdauer, Verantwortungsbewusstsein und langfristiges Denken sind. Idealerweise verbindet man beides.

Sie betonen, wie wichtig klare Kommunikation ist. Welche Regeln helfen Teams dabei?

Brockhaus: Erstens: Probleme früh ansprechen und nicht erst, wenn der Frust bereits groß ist. Zweitens: Kritik klar formulieren, aber immer sachlich. Und drittens: Verantwortung nicht nur nach oben delegieren. In vielen Teams entstehen Konflikte, weil Erwartungen unausgesprochen bleiben. Klare Kommunikation schafft Orientierung – und das reduziert Spannungen enorm.

Beim Zukunftswiesen Summit geht es um Lösungen

Sie waren 2024 bereits Moderatorin des Zukunftswiesen Summits und kehren jetzt zurück. Was macht die Veranstaltung für Sie so einzigartig?

Brockhaus: Der Zukunftswiesen Summit bringt Menschen zusammen, die nicht über Probleme sprechen, sondern über Lösungen. Gerade in einer Zeit, in der viele Debatten sehr pessimistisch geführt werden, ist es wichtig, Räume zu schaffen, in denen Unternehmer, Politik und Gesellschaft gemeinsam über Zukunftschancen sprechen. Gleichzeitig werden aber auch unliebsame Wahrheiten ausgesprochen. Dieser konstruktiv kritische Blick nach vorne macht den Summit besonders.

Welche Impulse möchten Sie in diesem Jahr mit Ihrer Moderation setzen?

Brockhaus: Mir ist wichtig, dass Diskussionen ehrlich und konkret geführt werden. Keine Floskeln, sondern klare Positionen und echte Argumente. Gerade bei Themen wie Leistungsbereitschaft und Wirtschaftswachstum braucht es offene Debatten. Auch wenn sie unbequem sind. Mein Ziel ist, es genau diesen Raum für eine solchen Dialog zu schaffen. Und was mir sehr wichtig ist: Ich möchte auch immer die Gegenmeinung in meiner Sendung haben. Es gibt doch nichts Langweiligeres, als wenn immer bloß Menschen miteinander sprechen, die sowieso dieselbe Meinung haben.

Interview von Teresa Zwirner


Zur Person

Nena Brockhaus ist Wirtschaftsjournalistin, Moderatorin und Spiegel-Bestsellerautorin, bekannt für ihre pointierten politischen Kommentare. Stationen bei Handelsblatt, Bunte, BILD sowie eigene TV-Formate prägen ihr Profil als klare Stimme in gesellschaftlichen Debatten.


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