Wer Mitarbeitende gewinnen will, muss mehr bieten als gute Jobs: Auch die beruflichen Perspektiven der Partnerperson sind entscheidend. Das Dual Career Netzwerk Heilbronn‑Franken unterstützt Unternehmen dabei, Menschen für die Region zu gewinnen.

Fachkräfte entscheiden sich heutzutage nicht mehr nur für einen Job, sondern für ein gesamtes Lebensumfeld. Ob ein Standortwechsel gelingt, hängt immer häufiger davon ab, ob auch der Partner Fuß fassen kann. „Fehlen berufliche Perspektiven oder soziale Anschlussmöglichkeiten für die Partner, scheitert der Standortwechsel oft – unabhängig vom eigentlichen Jobangebot“, sagt Silvia Payer, Frauenbeauftragte der Stadt Heilbronn.
Genau hier setze das Netzwerk an: Es biete Partnern neu zugezogener Fachkräfte Orientierung – von der Arbeitsmarkteinordnung und Bewerbungsunterstützung bis hin zu regionalen Kontakten. „Die Begleitung ist individuell, vertraulich und geht über die Jobsuche hinaus“, erklärt Payer. Um ein realistisches Bild des neuen Lebensortes zu vermitteln, spielen Informationen zu Kitas, Schulen, dem Wohnumfeld und sozialen Angeboten eine zentrale Rolle.
Das Dual Career Netzwerk schafft berufliche Perspektiven
Möglich wird dies durch die Vernetzung regionaler Akteure – darunter die Kontaktstelle Frau und Beruf in Trägerschaft der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken, die Agentur für Arbeit, die Stadt Heilbronn sowie weitere Institutionen. „Nur durch die enge Kooperation von Wirtschaft, Verwaltung und Beratungsstellen können wir pragmatische und individuelle Lösungen finden“, sagt Elena Reinecker, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Heilbronn.
Wie wirkungsvoll dieser Ansatz ist, zeigen die Rückmeldungen der betreuten Familien. Viele berichten von einer frühen, persönlichen Begleitung und dem Gefühl, in einer komplexen Phase nicht allein zu sein. Oft seien es eher unscheinbare Momente, die Sicherheit geben.
„Mehrere Familien gaben an, dass sie sich ohne diese Unterstützung schwerer oder gar nicht für die Region entschieden hätten“, sagt Claudia Pfähler, Leiterin der Kontaktstelle Frau und Beruf Heilbronn-Franken. Dabei stehe für das Netzwerk nicht eine schnelle Vermittlung im Vordergrund, sondern eine realistische und tragfähige berufliche Perspektive, die zur Lebensphase passt.
Reinecker beschreibt ein typisches Beispiel: „Für den mitziehenden Partner existiert in der Region zunächst keine passende Stelle. Durch Netzwerkkontakte, Beratung und gezielte Ansprache sind dann neue Perspektiven entstanden, teils sogar durch neu geschaffene Stellen in regionalen Unternehmen.“
Überregionale Kooperation für regionale Wettbewerbsfähigkeit
Ein Blick über die Region hinaus zeigt, dass Heilbronn-Franken mit diesem Ansatz nicht allein ist. In der Region Stuttgart gibt es seit über zehn Jahren den Dual Career Service Region Stuttgart – einen der ersten Unternehmensnetzwerke dieser Art in Deutschland. Seit Jahren arbeiten die beiden Netzwerke eng zusammen, um das Thema Dual Career als Instrument der Fachkräftesicherung gemeinsam weiterzuentwickeln.
Ziel dieser Kooperation ist es, Synergien zu nutzen und ein Thema sichtbar zu halten, das für die regionale Wettbewerbsfähigkeit zunehmend relevant wird. Payer fasst den Stellenwert des Themas so zusammen: „Dual Career ist heute ein zentraler Baustein, um Fachkräfte nicht nur zu gewinnen, sondern dauerhaft in der Region zu halten.“
Teresa Zwirner


